Vorzeigestadt Freiburg – Aktionstage Nachhaltigkeit

Als Teil der landesweiten N!-Tage Baden-Württembergs finden vom 18. bis zum 21. Mai 2017 die Freiburger Aktionstage Nachhaltigkeit statt. „Baden-Württemberg ist das Land der nachhaltigen Ideen“ lautet das diesjährige Motto der Aktionstage, deren Ziel es ist, vorbildliches Engagement sichtbar zu machen und zur Eigeninitiative zu ermutigen. Im Interview spricht Mareike Rehl, Leiterin der Stabsstelle des Nachhaltigkeitsmanagements der Stadt Freiburg, über erste Erfolge und langfristige Ziele.

Mareike Rehl

Was sind die größten Herausforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung?
Nachhaltige Stadtentwicklung geht weit über das enge Verständnis von Ökologie, Ökonomie und Sozialem hinaus. Da eine nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema alle Lebensbereiche und damit auch alle Aufgaben einer Kommune berührt, hat sich die Stadt Freiburg zur Umsetzung und Erreichung von 60 lokalen Nachhaltigkeitszielen in 12 Politikfeldern verpflichtet. Diese Fülle an unterschiedlichen Zielen und Themen macht die Umsetzung zu einer gesamtstädtischen Herausforderung und setzt deshalb ein erfolgreiches Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Akteure voraus.

Welche Rolle spielt die Stabsstelle des Nachhaltigkeitsmanagements?
Angesiedelt beim Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, handelt es sich um die zentrale Steuerungs- und Koordinationsstelle. Ihre Aufgabe ist es, ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement einzuführen und Nachhaltigkeit gesamtstädtisch zu verankern. Weiter ist sie die Geschäftsstelle des Freiburger Nachhaltigkeitsrates, ein Expertengremium, welches den Gemeinderat in Fragen der nachhaltigen Entwicklung berät.

Zu einer nachhaltigen Entwicklung hat sich Freiburg schon frühzeitig bekannt und 2006 die Aalborg Commitments unterzeichnet – wie nachhaltig ist die Stadt heute?
Ich möchte Ihnen zwei Beispiele nennen. Zum einen gilt Freiburg heute bis über Europas Grenzen hinaus als Vorzeigestadt im Bereich Klimaschutz – schon als das Thema bei Politik und Wirtschaft noch nicht auf der Agenda stand, haben wir eine fortschrittliche Klimaschutzpolitik umgesetzt. Zum anderen steht für mich auch der Freiburg-Cup für nachhaltige Entwicklung, ein Einwegbecher für den „Coffee to go“ der die Themen „Umgang mit natürlichen Ressourcen“, „Abfall“ und „Konsum“ miteinander vereint. Seit seiner Einführung bin ich überregional von unterschiedlichen Städten angesprochen worden, die Interesse am Konzept des Freiburg-Cups gezeigt haben.

2009 verabschiedete der Gemeinderat die bereits erwähnten 60 städtischen Nachhaltigkeitsziele, zu denen u.a. auch Verbesserungen im Bereich der Mobilität sowie eine Reduzierung des Straßenverkehrs zählen. Was wurde dahingehend seither erreicht?
Erst kürzlich veröffentlichte die Stadt Freiburg eine neue Studie zum Modal-Split, laut der die Freiburgerinnen und Freiburger sehr nachhaltig unterwegs sind: Sie fahren sehr viel Rad, laufen zu Fuß oder nehmen den öffentlichen Nahverkehr und immer seltener das Auto. Das Fahrrad ist – gemessen an der Zahl der Wege, die innerhalb des Stadtgebietes zurückgelegt werden – mit 34 Prozent das wichtigste Verkehrsmittel für die Freiburgerinnen und Freiburger. Zu Fuß wird knapp ein Drittel der Wege zurückgelegt. Zusammengenommen werden somit annähernd zwei von drei Wegen nicht motorisiert, sondern mit dem Fahrrad oder zu Fuß in Angriff genommen. Ich finde das ist wirklich ein tolles Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Was kann ich als Bürger zu einer nachhaltigeren Stadtentwicklung beitragen?
Man kann sich auf vielen Ebenen für eine nachhaltige Stadt einbringen. Zum Beispiel im städtischen Beteiligungshaushalt, der Anfang des Jahres erfolgreich mit Hilfe eines Online-Portals durchgeführt wurde. In diesem Rahmen konnten die Bürgerinnen und Bürger eigene Vorschläge machen und Empfehlungen aussprechen, wofür die Stadt mehr oder weniger Geld ausgeben sollte. Auch die Vorschläge anderer konnten die Teilnehmer unterstützen und kommentieren. Doch auch die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel sowie ein bewusster Konsum lokaler Lebensmittel, wie sie auf den Freiburger Bauernmärkten zu finden sind, tragen zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei.

Welche Highlights erwarten die Besucher der Freiburger Aktionstage Nachhaltigkeit?
Die Stadt Freiburg gilt als ein Hauptaustragungsort der baden-württembergischen Aktionstage und bietet mit rund 40 Akteuren und mehr als 50 verschiedenen Aktionen ein vielseitiges Programm für Jung und Alt. Das Programm reicht von Mitmachaktionen für Kinder und Jugendliche über Theatervorstellungen bis hin zu Vortragsveranstaltungen und gemeinsamen Sportaktivitäten.

Welche konkreten Ziele hat die Stadt für die kommenden Jahre?
Das ist von daher eine spannende Frage, da seit dem Jahr 2015 die „2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen einen globalen Rahmen für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklung bilden. Kernstück sind die Sustainable Development Goals (SDGs), die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Mit der Unterzeichnung der Resolution „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ bekräftigte der Gemeinderat der Stadt Freiburg 2016 die Fortschreibung der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie im Hinblick auf die Sustainable Development Goals. Damit ist der Kurs bis 2030 Jahr klar gesetzt!

Lebe deine Stadt!

An den vier Tagen wird im gesamten Freiburger Stadtgebiet ein buntes Programm geboten, das unter anderem Aktionen zum Thema „Inklusion“, eine Waldwanderung auf dem Schauinsland sowie eine GPS-Rallye mit dem Schwerpunkt „Nachhaltiger Konsum“ umfasst. Auch die VAG geht mit gutem Beispiel voran. Erfahren Sie im Rahmen einer Betriebsführung alles über die Nachhaltigkeit bei der Freiburger Verkehrs AG. Angefangen bei der Verwendung von Öko-Strom über Rasengleise bis hin zur Regenwasser-Waschanlage. Unter www.freiburg.de/96h gibt es das komplette Programm.

Dieses Interview stammt aus unserem Kundenmagazin Facetten, Ausgabe 2/2017.

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