Baustelle hautnah: Stadtbahn Rotteckring

Das Stadtbahn-Großprojekt Rotteckring nimmt Kurs auf die Ziellinie: Am Siegesdenkmal ist das Gleisdreieck fertiggestellt, das den Friedrichring mit der Kaiser-Joseph- und der Habsburgerstraße verbindet. Und auch der Rohbau für den neuen Pavillon steht! Was tut sich noch auf der Baustelle zur Stadtbahn 2020? Ein Rundgang mit Projektleiter Marco Schillinger.

Die Planung für die große Lösung am Siegesdenkmal hat etwa zwanzig Jahre gedauert – die Vorgeschichte ist wirklich schon alt“, erzählt Marco Schillinger, der das Ringbahn-Projekt durch die letzten Jahre begleitet hat. Der Plan, berichtet er, sei von Anfang an gewesen, den Individualverkehr aus der Innenstadt zu bringen, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken und gleichzeitig die Fußgängerzone in der Altstadt zu vergrößern.

Marco Schillinger schaut Richtung Friedrichring. Ein Bauzaun trennt den begehbaren Bereich von der Stelle neben dem Pavillon ab, an der fünf Männer konzentriert auf ein großes Erdloch schauen. „Hier geht gerade nichts. Heute Morgen sind wir auf einen undefinierbaren Untergrund gestoßen. Vor dem Zweiten Weltkrieg standen da Häuser, die nach dem Krieg plattgemacht wurden – und jetzt wissen wir nicht, was drin ist. Nun muss der Kampfmittelbeseitigungsdienst kommen und den Aushub begleiten.“ Bis die Spezialisten anrücken, wird andernorts weitergemacht: „Da hinten gibt es genug zu tun.“

Auf dem Weg zum Fahnenbergplatz wird deutlich, wie viel hier in den letzten Monaten schon geschehen ist: Die Schienen sind bis auf einen kleinen 80-Meter-Rest verlegt, die Randsteine für die Busspuren („Buskappsteine“) liegen, Rasengleis wurde angesät, Bäume gepflanzt, ein Boulevard mit hochwertigem Plattenbelag geschaffen. Und gepflastert! „Altstadtkante“, freut sich Marco Schillinger beim Anblick der behauenen Steine aus dem Elsass. Sogar ein neues Bächle ist entstanden. Geflutet wird es voraussichtlich im Sommer, wenn die letzten Gleismeter verlegt sind und der „Lückenschluss geschehen ist“, wie Marco Schillinger sagt. Und im Herbst werden dann noch einmal Bäume gepflanzt.

Einmal quer über den Rotteckring

Am 2. Februar 2015 ging’s mit dem Spatenstich an der Kronenbrücke los. Dreieinhalb Jahre und fünf Bauabschnitte später stehen die Arbeiten an der neuen Ringlinie über den Rotteckring kurz vor dem Abschluss. Schon jetzt wird der Platz der Alten Synagoge gut angenommen – gute Aussichten für den Rest des Projekts!

Marco Schillinger kümmert sich als Bauingenieur um das Großprojekt Stadtbahn 2020. Auch privat mag er’s umtriebig: In der familieneigenen Strauße packt er kräftig mit an.

Wie ist die Resonanz, die Sie auf die bisherigen Arbeiten erlebt haben?

Marco Schillinger: Bauen ist natürlich ein zweischneidiges Schwert: Erst will es keiner haben und nachher sind alle glücklich. Bei den Anliegern ist es ähnlich: Es gab hie und da mal Beschwerden, aber es hält sich in Grenzen. Die Leute akzeptieren das Projekt als Investition in die Zukunft. Übrigens kann man den Stand der Arbeiten auch verfolgen: Auf der Webcam www.regiowebcam.de sieht man das Gleisdreieck ganz gut und hat einen schönen Überblick darüber, wie weit die Arbeiten am Pavillon gerade sind.

Am Pavillon ist gerade Zwangspause angesagt – verzögert das die Sache?

Marco Schillinger: Nein. Mit so etwas müssen wir auf dem Gelände immer rechnen – die ganze Strecke ist eigentlich Verdachtsfläche. Überall könnten Gefahren aus dem zweiten Weltkrieg lauern und der Kampfmittelräumdienst ist immer mit im Boot. Bisher ist zum Glück noch nichts aufgetaucht. Die einzigen Überraschungen waren die Fundamente, die am Platz der Alten Synagoge gefunden wurden. Dafür war baulich jedoch die Stadt zuständig.

Zwischen Rosastraße und Friedrichring sieht es noch etwas unfertig aus…

Marco Schillinger: Ja, auch hier fehlt wie bei der Raustraße noch der Lückenschluss – das hat damit zu tun, dass die Straße noch für den Verkehr gebraucht wurde. Aber die Gleise liegen schon auf dem Rotteckring! Wir sind bei dem Projekt einfach abhängig von der Verkehrsführung. Wenn wir einfach den Verkehr sperren könnten, wäre alles ganz unkompliziert und wir würden alles in einer Richtung durchbauen. Aber das geht natürlich nicht, weil wir uns ja mit den anderen Beteiligten abstimmen müssen. So bauen wir mal hier, mal da einen Abschnitt.

Welches sind die Elemente, die Sie bei diesem Projekt besonders beeindrucken?

Marco Schillinger: Der Boulevard hier am Rotteckring und der Platz der Alten Synagoge gefallen mir schon sehr gut. Beides finde ich sehr gelungen. Auch das Bächle hier sieht schön aus. Ich persönlich finde auch die Unibibliothek super. Alt und neu – das ist wunderbar zusammengebracht! Ich finde, man muss nicht nur das Alte bewahren, man kann durchaus auch Neues einbringen.

Dieser Beitrag stammt aus unserem Kundenmagazin, den Facetten, Ausgabe 3/2018. Den Text hat Annette Christine Hoch geschrieben. Fotos: VAG, Manfred Furrer.

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