Baustelle ab April: Wir erneuern die Gleise in der Salzstraße

Von Mitte April bis Mitte August wird in der Freiburger Innenstadt gebaut. Wir sanieren unsere Gleise in der Salzstraße und sorgen an der Haltestelle Oberlinden für mehr Barrierefreiheit. Wie wir dabei vorgehen, warum das nötig ist, und vor allem wie ihr trotzdem mobil bleibt und die Geschäfte erreicht, erfahrt ihr hier.

Ist es wirklich nötig, die Gleise in der Salzstraße jetzt zu sanieren?

Eindeutig ja. Generell verlieren Schienen mit zunehmendem Alter an Tragfähigkeit. Die Gleise an der Salzstraße sind noch aus dem Jahr 1978. Die geplante Sanierung musste schon mehrfach verschoben werden. Ein weiterer Aufschub ist nicht möglich. Laut technischer Aufsichtsbehörde müsste dieser Streckenabschnitt sonst ab Mai 2021 gesperrt werden.

Was genau ist verschlissen?

Hier wechseln wir in den Expertenmodus: Sowohl der Fahrkopf als auch die seitlichen Fahr- und Leitkanten sind abgefahren. Die Schienen weisen massive Höhenabnutzungen und Spurerweiterungen auf. Der Schienenfuß ist teilweise stark korrodiert, was die Tragfähigkeit der Schienen stark vermindert. Auch der Unterboden ist dringend sanierungsbedürftig. Laut einem Bodengutachten müssen wir bodenverbessernde Maßnahmen ausführen, da Setzungen im Untergrund entstanden sind. Konkret: Die Tragfähigkeit von Schienen und Schienenunterbau sind nicht mehr sicher gewährleistet, wenn wir nicht bald sanieren.

Wäre es nicht möglich, jetzt erst einmal nur einen Teil zu sanieren?

Nein. Eine Verlängerung der Fahrsicherheit auf dem gesamten Streckenabschnitt ist nicht mehr möglich.

Warum habt ihr die Maßnahme nicht schon früher umgesetzt?

Die Sanierung war ursprünglich schon 2018 vorgesehen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es einige weitere Baumaßnahmen in der Innenstadt (unter anderem an der nördlichen Kaiser-Joseph-Straße). Um hier ein größeres bzw. zwei Baufelder zu vermeiden wurde die Maßnahme in der Salzstraße in gemeinsamer Abstimmung auf das Jahr 2020, ein Jahr nach der Eröffnung der Stadtbahn Rotteckring, verschoben.

Im Weiteren haben wir gemeinsam mit der Stadt beschlossen, die Sanierung auf 2021 zu verschieben. Nach der Eröffnung des Rotteckrings und im Jahr nach dem Stadtjubiläum. Denn 2020 wurde wegen den vielen geplanten Feiern mit einem deutlich erhöhten Besucher*innenverkehr in der Innenstadt gerechnet. Aber dann kam bekanntlich Corona.

Hättet ihr die Maßnahme nicht kurzfristig vorziehen können?

Das haben wir, so weit wie möglich. Nach Rückmeldungen von Gewerbetreibenden und Anwohnenden haben wir die Baumaßnahme um 4 Wochen in den April vorverlegt. Eigentlich war ein Baustart im Mai geplant. Unsere Baumaßnahmen benötigen natürlich immer einiges an Vorlauf. Auch müssen die Arbeiten, unter Einhaltung der vorgegebenen zeitlichen Fristen jeweils ausgeschrieben werden.  Und wir müssen sie mit anderen Maßnahmen und Vorhaben abstimmen und koordinieren.

Sind wegen Covid 19 weitere Verzögerungen möglich?

Wir gehen nicht davon aus. Wegen den Erfahrungen was etwa Lieferprobleme wegen Corona angeht, haben wir schon sehr frühzeitig mit den Vorbereitungen begonnen. Die Schienen und Weichen sind bereits seit geraumer Zeit bestellt und werden derzeit hergestellt oder gewalzt. Die Baubeauftragungen sind erfolgt. Aktuell rechnen wir auch mit keinen weiteren coronabedingten Einschränkungen für das Personal. Das hat uns tatsächlich bei manchen Baustellen im vergangenen Jahr vor Herausforderungen gestellt.

Wann genau wird also wo saniert?

  • 12. April bis 29. Mai: Von der Einbindung Annengässle bis Einbindung Augustinerplatz
  • 30. Mai bis 10. Juli: Von der Einbindung Augustinerplatz bis Einbindung Herrenstraße
  • 11. Juli bis 15. August: Von der Einbindung Herrenstraße bis zum Schwabentor

Außerdem wird die Haltestelle Oberlinden umgebaut. Mit der weiteren Unterteilung in mehrere Bauabschnitte reduzieren wir die Belastung für die Anwohnenden und Gewerbebetriebe örtlich soweit wie möglich. Das bedeutet, dass sowohl die Anwohnerinnen und Anwohner, der Einzelhandel als auch die Gastronomie maximal neun Wochen vor der eigenen Haustür direkt betroffen sind.

Wird die Haltestelle Oberlinden nun barrierefrei?

Die Lage der Haltstellenlage in einer Kurve sowie die Auflagen des Denkmalschutzes grenzen den Spielraum ein. Wir schaffen einen barrierefreieren Einstieg. Wir heben die neu gestalteten Bahnsteige auf 12 Zentimeter an. Dadurch ermöglichen wir einen Zustieg mit einer Klapprampe für mobilitätseingeschränkte Personen. Darüber hinaus werden auch taktile Leitelemente für seheingeschränkte Personen eingebaut. So erreichen wir eine deutliche Verbesserung gegenüber der heutigen Situation. Für diesen Umbau ist auch ein Verlegen des unterirdischen Bächles erforderlich. Auch an den umliegenden Haltestellen in der Innenstadt sind weitere Verbesserungen für mobilitätseingeschränkte Personen geplant.

Wann wird auf der Baustelle gearbeitet?

Wir möchten die Arbeiten so schnell wie möglich umsetzen, aber auch den Lärmschutz nachts und sonntags berücksichtigen. Deshalb werden die Arbeiten an allen 6 Werktagen ausgeführt. Das mögliche Arbeitszeitfenster liegt zwischen 6 Uhr und 22 Uhr. Nacht- und Sonntagsarbeit sind nur in begründeten Ausnahmefällen geplant.

Wie wird es dort jeweils während der Bauphasen aussehen?

Wir möchten die optischen und akustischen Beeinträchtigungen in der Innenstadt so gering wie möglich halten. Die Baustelle wird daher mit einem 2 Meter hohen Baustellengitter umzäunt. Wir bringen auch örtlich begrenzt einen bedruckten Sichtschutz an, der auch zum Schutz vor Baustaub dient. Die Folien werden attraktiv gestaltet. Auf ihnen informieren wir auch über die Baustelle und über die Laufwege. Außerdem machen wir darauf aufmerksam, dass die Einzelhandelsgeschäfte weiterhin geöffnet und erreichbar sind. Laufkundschaft soll ja weiterhin den Weg in die Geschäfte finden, die auch alle immer erreichbar sein werden.

Komme ich als Anwohner, Kunde oder Geschäfteinhaber während der Bauphase trotzdem in die umliegenden Häuser oder Geschäfte?

Der Zugang zu allen Häusern und Eingängen ist für Anlieger, Passanten und Lieferanten über die gesamte Bauzeit natürlich möglich. Die Zufahrt für den Individualverkehr ist vom Schwabentor kommend in die Herrenstraße ständig möglich. Die Einfahrt in die Konviktstraße muss in der dritten Bauphase für den Zeitraum von ca. 3 Tagen gesperrt werden. Hierüber werden die Anlieger vorab von uns informiert. Die Einfahrt in die Salzstraße vom Schwabentor her ist während des zweiten Bauabschnitts nicht möglich. In dieser Phase erfolgt die Zufahrt in die Salzstraße über den Augustinerplatz.

Haben die Fußgänger ausreichend Platz, um die Geschäfte zu erreichen und um Abstand zu halten?

Fußgänger werden ausreichend Platz haben, um die Salzstraße zu durchqueren oder in die Geschäfte und die Häuser zu gelangen. Es werden deshalb in der Regel zwei ausreichend dimensionierte Gehwege aufrechterhalten. Eine Begegnung ist dann, wie auf allen Gehwegen möglich. Am Augustinermuseum sind die geplanten Arbeiten auf die Baustelle dort abgestimmt. Am Museum steht ein Gerüst auf dem Gehweg. In diesen Bereich wird der Fußgänger eine Fläche wechselseitig im Gleis als Ausgleich erhalten. Während das Gleis Richtung Bertoldsbrunnen erneuert wird, können Fußgänger diesen Gehweg in Richtung Schwabentor nutzen. Auch der Gehweg auf der nördlichen Seite ist dann frei. Nach Abschluss der Arbeiten am Gleis in Richtung Bertoldsbrunnen ist diese Fläche vollständig gepflastert. Dann kann sowohl dieser Bereich als auch der nördliche Gehweg von Fußgängern benutzt werden. So ist sichergestellt, dass immer ein ausreichend breiter Weg für Fußgänger vorhanden ist.

Wie komme ich dann an mein Ziel?

In der gesamten Zeit der Baustelle – von 12. April bis 15. August – ist die Linie 1 zwischen Bertoldsbrunnen und Schwabentor unterbrochen. Die Linie 1 aus Landwasser fährt dann über den Bertoldsbrunnen zum Europaplatz und wird dort zur Linie 5, die nach Rieselfeld fährt. Wer wie bisher von Landwasser in Richtung Littenweiler möchte oder umgekehrt hat zwei Möglichkeiten: Wer gut zu Fuß ist, kann die unterbrochene Strecke zwischen Bertoldsbrunnen und Schwabentor laufen. Bequemer geht es mit unserem Schienenersatzverkehr, der zwischen dem Europaplatz und dem Schwabentor verkehrt. Nähere Informationen zum SEV folgen noch.

Wo bekommt man aktuelle Informationen?

Wir werden auch weiter über die Baustelle informieren. Über Schreiben zur Baustelle, Presseinformationen, über unsere sozialen Medien, auf unserer Webseite, während der Bauphase über Digitalanzeigen sowie im Amtsblatt. Baumaßnahmen sind leider nie ohne Einschränkungen möglich. Insbesondere die Gewerbetreibenden möchten wir mit einer gemeinsamen Aktion unterstützen. Wir hoffen, dass wir euch hierzu bald mehr sagen können.

Wie informiert ihr Anwohner und Gewerbetreibende?

Wir hatten eine größere Informationsveranstaltung geplant. Das war leider wegen der Corona-Auflagen nicht möglich. Daher haben wir auf verschiedenen Wegen mit Gastronomen, Anwohnenden und Gewerbetreibenden Kontakt aufgenommen. Erste Gespräche mit Vertretern der Gewerbetreibenden gab es bereits im September 2020, weitere sind nun digital geplant. Wir tauschen uns regelmäßig weiter aus und nehmen die Anregungen ernst. Beispielsweise haben wir auf Informationsblättern Kontaktdaten aufgeführt, falls es Fragen gibt. Wegen der Rückmeldungen haben wir die Bauarbeiten soweit möglich vorverlegt.

Was ist mit Baumaterialien und Werkzeug?

Schüttgutmaterialien werden nicht auf der Baustelle gelagert, sondern abtransportiert. Auf Flächen in der Nähe des Schwabentors und auf abgezäunten Flächen vor dem jeweiligen Baufeld werden Container aufgestellt – als Aufenthaltsort/Baubüro, für Sanitär sowie zur Lagerung von Kleinmaterialien, Werkzeug, Maschinen und Geräten.

Wann seid ihr mit den Arbeiten fertig?

Das Ziel ist Mitte August. Wir gehen davon aus, dass es dann an den Gleisen an dieser Stelle über einen längeren Zeitraum keine größeren Sanierungen mehr geben wird. Unser Wunsch: Mitte August ist nicht nur die Baustelle beendet, sondern auch die Corona-Pandemie weitgehend überstanden. Und wir können den Sommer genießen.

2 Kommentare

  1. Frage: Wenn einige Meter Baustellenabschnitte mit einem Sichtschutz versehen werden und diese mit bedruckten Folien belegt werden, werden daraus wieder, wie es mit den Folien bei der Neugestaltung des Bertholds-Brunnens geschehen ist, Taschen hergestellt werden? Damals hat eine beschützte Werkstatt diese Taschen gefertigt. Verwendet wurden die Folien und die Umhänge-Riemen wurden aus ausrangierten Sicherheitsgurten von Autos gefertigt. Die Taschen kamen bei der VAG heraus, nachdem die Bauarbeiten abgeschlossen waren.

  2. Der erwähnte Bauabschnitt in der Kaiser-Joseph-Straße war schon 2017. Zuerst wurde der Mischwasserkanal ab Galeria Kaufhof bis Auf Der Zinnen ausgetauscht. Danach ging es an die Neuverlegung der Gleise und die Wiederherstellung des Pflasters. Bauzeit: Start 6.3.2017, Ende 10.12.2017. Betroffen waren Linie 4 und 2. Seit 2019 geht die Linie 2 auf dem Kurs der Linie 5 zwischen Bertholdsbrunnen und Hornusstraße. Linie 5 wanderte auf den Rotteckring und damit durch meine alte Heimat.

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