Zwei neue E-Busse sind seit November im Testbetrieb.

Emissionsfrei unterwegs: neue E-Busflotte der VAG

Seit dem Jahr 1901 fahren die Straßenbahnen in Freiburg elektrisch. Nun folgt der Einstieg in den Umstieg bei den Bussen der VAG. Hier erklären wir, warum wir diesen Schritt gehen – und wie wir künftig nachhaltig mobil sein möchten.

Warum führt die VAG E-Busse ein?

Deutschland hat sich im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens dazu verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 auf ein Mindestmaß zu vermindern. Die Stadt Freiburg will ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 60% im Vergleich zum Jahr 1992 senken. Bis 2050 will sie klimaneutral sein.

Der Ausbau des ÖPNV ist ein Schlüssel zur Reduktion von Treibhausgasen. Zum einen müssen immer mehr Menschen dazu bewegt werden, Bus und Bahn zu nutzen statt mit dem eigenen PKW zu fahren, zum anderen muss der ÖPNV dabei möglichst emissionsfrei werden. Im Bus-Bereich kann dies nur durch den Ersatz von Dieselbussen erreicht werden. Zwar ersetzen Busse täglich viele Autofahrten, doch der Schadstoff- und CO2 -Ausstoß kann damit nicht vollständig vermieden werden. Dies kann nur weiter vermindert werden, indem wir keine Fahrzeuge mehr einsetzen, die einen Verbrennungsmotor haben. Der Einsatz von Elektrobussen erfolgt abgasfrei.

Wie viel CO2 wird durch den Einsatz von E-Bussen eingespart?

Ein Dieselbus der VAG ist im Schnitt 45.200 Kilometer pro Jahr im Einsatz. Er emittiert dabei in etwa 54,5 Tonnen CO2 . Für jeden Dieselbus, der durch einen E-Bus ersetzt wird, können also 54,5 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Die E-Busse der VAG werden mit zertifiziertem Ökostrom aus 100% regenerativer Stromerzeugung betrieben. Für eine echte Klimawende muss der Umstieg auf Elektromobilität im Straßenverkehr von einer nachhaltigen Energiewende begleitet werden.

Bei der Produktion einer E-Bus-Batterie entsteht auch eine Menge CO2. Wie verhält es sich damit?

Die VAG führt die E-Busse als sogenannte Gelegenheitslader („Opportunity Charging“) ein. Das bedeutet, dass die Batterie der Busse an der Endhaltestelle nach Bedarf nachgeladen werden kann. Durch diese Technik können die Batterien dieses Typs deutlich kleiner, leichter und kostengünstiger sein als die Batterien anderer Modelle, die beispielsweise ausschließlich nachts geladen werden können.

Die VAG rechnet mit einer Nutzungsdauer der Batterien von 9 Jahren für den mobilen Einsatz. Danach ist vorgesehen, diese noch für die nächsten 9-10 Jahre als Speicher für Solarstrom zu nutzen, der auf dem Betriebsgelände produziert wird.

Bei der Herstellung dieser Batterien  entstehen gemäß einiger Studien zwischen 22,4 und 28 Tonnen CO2 pro Bus. Analog der Einsparung von 54,5 Tonnen CO2 pro Jahr sind die CO2 -Emissionen aus der Batterieproduktion bereits nach 5- 6 Monaten amortisiert.

Die heutige Einsatzdauer von Dieselbussen beträgt in der Regel mindestens 14 Jahre. Die Einsatzzeiten der E-Busse wollen wir auf 18-20 Jahre erhöhen, zumal auch wartungsintensivere Bauteile wie Verbrennungsmotor und Getriebe entfallen. Kleinere Batterien verursachen in ihrer Produktion auch weniger CO2 -Ausstoß.

Der Abbau der Rohstoffe für die Batterien findet unter schlechten Bedingungen statt. Wie positioniert sich die VAG dazu?

Der Abbau von Lithium oder Kobalt findet heute zum Teil unter ungeregelten, unsozialen und umweltschädlichen Methoden und Bedingungen statt und dies seit Jahrzehnten. Diese Problematik ist uns bewusst. Die Batterieindustrie ist hier auf dem Vormarsch und es zeichnen sich Lösungswege ab, z.B. der Ersatz der Lithium-Ionen durch Zink, das auch regional bezogen werden kann.

Getrieben durch die Automobilindustrie und der damit verbundenen größeren Menge an (einheitlichen) Batterien, werden effiziente Recyclingsysteme entwickelt.  Zwischenzeitig lassen sich 95 Prozent der eingesetzten Materialen – zumindest auf Laborebene – wiederverwerten. Industrie und Forschungslabors wie das renommierte Fraunhofer Institut entwickeln zudem neuartige Verfahren wie die elektrohydraulische Zerkleinerung, die weniger energieaufwendig sind und eine noch bessere Recyclingquote bieten. Ziel ist es bis in einigen wenigen Jahren 99% der Wertstoffe recyceln zu können.

Grundsätzlich müssen die Umwelt- und Sozialbedingungen bei der Förderung von Rohstoffen für die Elektromobilität geregelt und verbessert werden. Hierzu müssen sich die entsprechenden Wirtschaftsunternehmen und die Politik auf internationaler Ebene verständigen und entsprechend Vereinbarungen und Regelungen treffen.

Was sind weitere Vorteile der E-Busse?

Die E-Busse stoßen keine verbrennungsmotorischen Feinstaubpartikel und Stickoxide aus.

Durch den Einsatz von E-Bussen entstehen deutlich weniger Lärm-Emissionen.

Die Heizung in Dieselbussen benötigt im Winter rund 50% des Gesamtenergiebedarfs. Bei den E-Bussen können auch elektrische Heizungen und Klimaanlagen zum Einsatz kommen und dadurch fossile Heizgeräte vermieden werden.

Die VAG führt seit ein paar Wochen einen Testbetrieb mit zwei E-Bussen durch. Ab Februar 2020 werden diese im Linienverkehr auf der Linie 27 zum Einsatz kommen. Voraussichtlich bis Frühjahr 2022 werden 15 weitere Elektrobusse den Fuhrpark der VAG erweitern. Die E-Busse werden dann fünf Solobusse mit Euro-3-Standard sowie 10 Gelenkbus mit Euro 5 EEV-Antrieben ersetzen. Darüber hinaus wird die notwendige Lade-Infrastruktur auf der Strecke eingerichtet und die Anpassungsarbeiten auf dem Betriebshof vorgenommen.

 

Ein Kommentar

  1. Bernhard Rotzinger

    Vielen Dank für die Erklärung, das versachlicht die Diskussion (hoffentlich). Es geht zunehmend nicht mehr nur um entweder/oder, sondern um sowohl/als auch. Wir müssen für jede Nutzung das jeweils spezielle möglichst umweltschonende Antriebskonzept finden und einsetzen.

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