Außenstürmer beim EHC, Kollege bei der Schauinslandbahn: Tobias Kunz

Mehr EHC Freiburg als Tobias Kunz ist kaum möglich. Schon seit über zehn Jahren gehört der 28-Jährige Außenstürmer zum Profi kader der Wölfe. Seither hat er dem Eishockey-Verein die Treue gehalten und im vergangenen Jahr bereits sein 500. Spiel absolviert. Wie der Alltag des Offensivmanns aussieht und wie er es schafft, nebenbei auch noch für die VAG zu arbeiten, hat er im Interview verraten.

 

Wie sind Sie zum Eishockey gekommen?

Meine Eltern waren schon immer große Eishockey-Fans und spätestens als mein Bruder anfing zu spielen, wollte ich auch aufs Eis. Doch meine Eltern fanden das zu früh, denn damals war ich erst zwei Jahre alt. Ein Jahr später konnte ich mich dann durchsetzen und bin der Eishockey-Kindermannschaft beigetreten. Dort habe ich erst mal Schlittschuhlaufen gelernt und als das klappte, kam der Schläger dazu.

Was macht den Sport Ihrer Meinung nach aus?

Die Geschwindigkeit: Das Spielfeld ist wesentlich kleiner als beispielsweise ein Fußballfeld und die Spieler sind dank ihrer Schlittschuhe zudem viel schneller. Daran müssen sich auch die Zuschauer erst einmal gewöhnen. Außerdem ist es ein sehr körperbetonter Sport, dadurch wird es nie langweilig.

Auf einen Außenstehenden wirkt ein Eishockeyspiel oftmals sehr brutal. Da fällt es schwer, sich Dreijährige dabei vorzustellen …

Natürlich laufen die einzelnen Spielzüge bei den Kleinen noch wesentlich langsamer ab und es herrschen verschärfte Regeln bezüglich des Körperkontakts. Trotzdem sieht es bei Kindern oft brutaler aus als bei den Erwachsenen, denn sie haben keine Angst und laufen mitunter frontal ineinander. Doch sie sind langsamer und leichter, daher passiert ihnen nichts. Außerdem ist es Pflicht, bis zum 18. Lebensjahr ein Vollvisier zu tragen. Später steht es einem dann frei, auf ein Halbvisier umzusteigen, durch das man besser sieht.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Eis?

Das habe ich noch nie ausgerechnet, doch da kommt einiges zusammen. In der Vorbereitungszeit bin ich jeden Tag ein- bis zweimal auf dem Eis. Hat die Saison dann begonnen, haben wir Montag unseren freien Tag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag wird trainiert. Und an den anderen beiden Tagen steht jeweils ein Heim- und ein Auswärtsspiel an. Ist letzteres weiter weg, wie zum Beispiel in Weißwasser an der Lausitz, fahren wir aufgrund der langen Anreise auch schon mal am Tag vorher los.

Dabei arbeiten Sie auch noch bei der VAG – wie schaffen Sie das?

Nach meinem VWL-Studium bin ich über ein Praktikum in der Marketingabteilung zur VAG gekommen. Im Anschluss habe ich als „Assistenz der Betriebsleitung“ bei der Schauinslandbahn angefangen. Ich habe eine 50-Prozent-Stelle und bin sehr flexibel in der Einteilung meiner Arbeitszeiten, was mir sehr entgegenkommt. Drei meiner Teamkollegen arbeiten sogar Vollzeit neben dem Eishockey, doch das ist nur mit Urlaubstagen für Auswärtsspiele und Wochenendarbeit möglich. Ich denke, die Frage nach anderen Hobbys hat sich damit erledigt.

Bleibt da überhaupt noch Zeit, mal mit Freunden feiern zu gehen?

Für andere Hobbys bleibt tatsächlich keine Zeit, doch zum Glück feiern meine Mannschaftskollegen auch sehr gerne. Hin und wieder machen wir auch Mannschaftsfahrten, zum Beispiel nach Mallorca. Da sind wir dann nicht mehr so diszipliniert (lacht).

Was halten Ihre Arbeitskollegen von der Zweitkarriere auf dem Eis – sind auch ein paar Fans darunter?

Die meisten von ihnen haben sich bevor sie mich kannten nicht für Eishockey interessiert, doch jetzt sprechen sie mich immer drauf an, wenn sie mich in der Zeitung gesehen haben. Die Marketingabteilung hat auch schon mal eins unserer Spiele besucht und einen Kollegen gibt es tatsächlich, der schon vorher Eishockey-Fan war – den versorge ich nun immer mit Insider-Informationen. Die VAG scheint als Arbeitgeber in Ihrer Familie eine gewisse Tradition zu haben, denn auch ihr Vater, ihr Onkel und Ihr Großvater waren bzw. sind für das Verkehrsunternehmen tätig.

Was zeichnet die VAG als Arbeitgeber aus?

Wie gesagt, ich bin über ein Praktikum hineingerutscht und sehr zufrieden mit meinem Job. Ich profitiere von vielen Leistungen, die nicht selbstverständlich sind, und man ist sehr flexibel, was meinen Sport betrifft. Auch die Kollegen sind alle sehr nett, es herrscht einfach ein gutes Arbeitsklima.

Sie hatten bereits die Möglichkeit, Vollprofi bei anderen Vereinen zu werden, doch haben abgelehnt. Warum?

Damals habe ich noch studiert. Der EHC Freiburg ging insolvent und war gezwungen, in die vierte Liga zurückzugehen. Da raufhin bekam ich Angebote aus verschiedenen Städten, unter anderem aus Dortmund, doch mein Studium war mir wichtiger. Also blieb ich hier und nahm mir vor, mich mit den Wölfen wieder nach oben zu kämpfen. Hat geklappt.

Gibt es einen Traum in Hinblick auf Ihre Eishockey-Karriere, den Sie sich gerne erfüllen würden?

Schon vor Jahren wurde der Bau einer neuen Eishockey-Halle für Freiburg beschlossen. Doch nun wird erst das Fußballstadion gebaut und ich befürchte, dass das Ganze nun in Vergessenheit gerät. Das ist schade, denn die Franz-Siegel-Halle ist schon sehr alt – das ist weder für uns noch für die Fans sehr angenehm. Daher wünsche ich mir, dass es doch noch in absehbarer Zeit klappt und wir unsere Heimspiele künftig in einer neuen Halle rocken können.

Dieses Interview stammt aus den Facetten, Ausgabe 2017/4 – mehr dazu gibt’s hier.

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