Einer, der alles ausbügelt: Der Schienenschleifer

Immer wieder schummelt er sich zwischen den Straßenbahnen durchs Netz. Fast jeder hat ihn schon mal in Freiburg gesehen, aber nur wenige wissen, was eigentlich seine Aufgabe ist: Der Schienenschleifer.

Unser Schienenschleifer, den Sie fast täglich im VAG Netz sehen können, ist noch recht jung: Seit Anfang 2013 sorgt er dafür, dass auf den Gleisen alles „glatt geht“. Dabei hat er drei Funktionen, die wichtig für unseren Fahrbetrieb sind.

Wie der Name schon verrät ist die zentrale Aufgabe des Schienenschleifers, die Riffelbildung auf den Gleisen zu minimieren. Diese Riffel entstehen besonders in den Haltestellenbereichen im Netz: beim Anfahren der Straßenbahnen nach einem Halt drehen die Räder des Fahrzeugs leicht durch und es entstehen sozusagen Wellenlinien auf den Gleisen. Auch da, wo Autos und anderer Individualverkehr die Schienen kreuzen, werden sie besonders beansprucht. An manchen Kurven im Netz gibt es einen engen Radius in den Schienenbögen, auch dort ist die Arbeit des Schienenschleifers wichtig.

Wie das funktioniert? Ganz einfach: Unter dem Schienenschleifer befinden sich sogenannte Rutschersteine, welche hinuntergelassen werden können und dann die Riffel auf den Gleisen abreiben. Dadurch wird übrigens auch nebenbei der Geräuschpegel der Straßenbahnen auf den Schienen minimiert, denn: weniger Reibung = weniger Lärm.

Rutschersteine

Die Rutschersteine.

Besonders im Frühling und Herbst gibt es besondere Verschmutzung auf den Gleisen: durch Blätter und Reste von gemähtem Rasen bildet sich im Kontakt mit Regen eine Schmiere auf den Gleisen. Die Straßenbahnen, die dann hinüber fahren, machen diese Schmiere noch härter. Dadurch wird stellenweise der Kontakt zwischen Oberleitung und Gleis unterbrochen – überhaupt nicht gut für eine einwandfreie Fahrt. Die Rutschersteine entfernen diese Schmiere. Übrigens: wenn die Steine unten sind, kann der Schienenschleifer maximal 25 km/h fahren. Ansonsten maximal 50 km/h.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat der Schienenschleifer noch mehr zu bieten: Er ist nämlich auch mit einer Enteisungsanlage ausgestattet. Oben auf dem Fahrzeug befindet sich eine Rolle, ähnlich wie eine Farbrolle, welche bei Bedarf Glycerin auf dem Fahrdraht verteilt. Dies beugt die Vereisung der Fahrdrähte bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedriger Temperatur vor. Da das Glycerin nur circa zwei Tage vorhält, müssen die zuständigen VAG Mitarbeiter immer genau die Wettervorhersage im Blick haben. Die Enteisungsanlage wird dann nach Bedarf eingesetzt. Bei Regen und Schnee wird sie nicht eingesetzt: der Niederschlag löst das Glycerin von den Fahrdrähten.

Enteisungsanlage

Links (längliches, graues Quader): Der Fahrdrahtmesser. Mitte: Enteisungsanlage, im Bild ohne Glycerinrolle.

Nicht zuletzt kann der Schienenschleifer auch die Fahrdrahtmessung durchführen: Dabei werden Höhe und Verlauf des Fahrdrahts gemessen. Für uns wichtige Daten, um zu wissen, ob alles im Netz okay ist.

Bald wird es auch noch eine weitere Funktion geben: Der Schienenschleifer wird dann in der Lage sein, die Kurvenschmierung durchzuführen. Dadurch wird der Verschleiß der Schienen in Kurven minimiert.

Warum der Schienenschleifer nicht mal spontan anhält und jemanden zur nächsten Haltestelle mitnimmt? Ganz einfach: Das wird zu eng. Hier müssen nämlich unter anderem 3.000 Liter Wasser zur Reinigung der Rutschersteine Platz finden und auch das Glycerin für die Enteisungsanlage. Abgesehen davon, verbirgt sich hinter den Funktionen des Schienenschleifers auch jede Menge Technik, die einfach Platz braucht.

Rundum ist unser Schienenschleifer also ein Multifunktionsfahrzeug, welches nicht nur uns die Arbeit erleichtert, sondern auch für Sie eine reibungslose Fahrt in unseren Straßenbahnen ermöglicht.

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