Warum gibt es keinen Fahrschein für Kurzstrecken?

Immer mal wieder wird uns diese Frage gestellt. Gemeint ist ein Fahrschein, der für eine Fahrt von bis zu drei Haltestellen (zum Beispiel) gültig ist. Das klingt für unsere Fahrgäste durchaus verlockend: Den manchmal lästigen Weg zwischen Hauptbahnhof und Bertoldsbrunnen einfach mit der Stadtbahn zurücklegen, für minimales Geld. Tatsächlich steckt aber viel mehr dahinter, weswegen die Umsetzung eines Tarifs für Kurzstrecken in Freiburg nicht so einfach getan wie gesagt ist.

Das große Ganze

Hier im Blog haben wir ja schon mal erklärt, dass nicht die VAG, sondern der RVF zuständig für die Tarife ist. Nur durch den Zusammenschluss der Verkehrsunternehmen im Regio-Verkehrsverbund Freiburg können die einheitlichen und vergleichsweise günstigen Preise in Freiburg und der Regio möglich gemacht werden. Würde der RVF nun einen Fahrschein für Kurzstrecken einführen wollen, müsste dieser im gesamten RVF-Gebiet, d.h. in 20 Verkehrsunternehmen, umgesetzt werden. Aber eine gerechte und verständliche Gestaltung so eines Tarifs ist schwierig: Drei Haltestellen sind im Eisenbahnverkehr eine deutlich längere Strecke als im VAG-Netz.

Aus diesem Grund werden Kurzstreckentarife in der Regel nur für einzelne Verkehrsmittel oder auch nur in Zentren von Städten umgesetzt – Beim RVF ginge man dann vom Bus- und Stadtbahnverkehr zum Beispiel in Freiburg, Waldkirch und Emmendingen, nicht aber vom Eisenbahnverkehr aus. Das wiederum verkompliziert das gesamte Tarifsystem und steigert den Erklärungsbedarf, damit Fahrgäste den richtigen Fahrschein wählen können. Zudem ist erfahrungsgemäß das so genannte „Graufahren“ beim Kurztreckentarif ein Problem: Das Ticket gilt für drei Haltestellen, der Fahrgast fährt vier und muss ggf. aus Unkenntnis 60 Euro berappen.

Volle Bahnen, aber nicht weniger Autos

Beliebte Argumente für den Tarif für Kurzstrecken sind dadurch womöglich steigende Fahrgastzahlen und von den Straßen schwindende Privatautos. Klingt auch super! In der Praxis ist aber anzunehmen, dass der Fahrschein für Kurzstrecken vorwiegend für Strecken im Innenstadtbereich genutzt würde – eben zum Beispiel zwischen Hauptbahnhof und Bertoldsbrunnen. In diesen heute schon am stärksten frequentierten Stadtbahnabschnitten könnte es dann zu Kapazitätsengpässen kommen.

Was ist mit Personen, die möglicherweise vom Auto zum ÖPNV wechseln würden? Das ist unser ultimatives Ziel als Nahverkehrsanbieter. In der Praxis nutzen Menschen aber in der Regel ihr Auto nicht für Kurzstrecken, so dass ein Fahrschein für einen Weg von drei Haltestellen eher für Fahrradfahrer und Fußgänger attraktiv wäre. Nur wenige würde er zum Umstieg vom Auto in Bus oder Bahn bewegen. Die Ergebnisse der neusten Erhebung des Modal Splits von 2016 (das heißt der Verteilung der Menschen auf die unterschiedlichen Verkehrsmittel) unterstützt diese Annahme: Bei Fahrten in der Stadt Freiburg sind nur 21 Prozent noch PKW-Fahrer. Hingegen 63 Prozent nutzen das Fahrrad oder gehen zu Fuß.

Die Technik dahinter

Ein neuer Fahrschein bedeutet außerdem auch einiges an Vertriebsaufwand. Der neue Tarif muss in die verschiedenen Verkaufssysteme, wie mobile und stationäre Automaten, eingebunden und programmiert werden. Das bedeutet erhebliche Anpassungskosten in unserer Vertriebstechnik.

Ein tolle Idee, aber viele Hürden

Wir klingen ganz schön dickköpfig – aber vielleicht macht es unsere ausführliche Erläuterung für euch etwas verständlicher, was die genauen Hürden bei der Umsetzung eines scheinbar so einfachen Angebots sind. Bis auf weiteres müssen wir daher dickköpfig bleiben.

 

4 Kommentare

  1. Was ist eigentlich gerade mit der VAG App los? Sie zeigt mir an, ich solle von der Nordstraße aus kommend an der Albertstraße aussteigen und 12 Minuten laufen, wenn ich zum Bahnhof will, anstatt einfach am ZOB auszusteigen…

    • Komisch, kannst du mir noch Uhrzeit und Datum deiner Verbindung nennen? Dann gebe ich das an den Kollegen weiter. Viele Grüße
      Susanne aus der VAG Blog-Redaktion

  2. Halte die Argumente gegen das Kurzstreckenticket nur bedingt für richtig. Mein Vorschlag:

    Man nimmt die Punktekarte die es ja bereits gibt und orientiert sich nicht an Haltestellen sondern an Fahrzeiten wie heute wo 3 Punkte innerhalb einer Zone 2 Stunden Gültigkeit haben. Diese kann man z.B. für 1 Punkt auf 15-20 Minuten festsetzen für 2 Punkte 20-40 Minuten und schon hat man das Kurzstreckenticket. Bin überzeugt das dies der VAG schnell zusätzliche Einnahmen bringt, keine weiteren Fahrkarten notwendig sind, den Bestand an Monatskarten nicht beeinträchtigt und auch bei den Verbundpartner im RVF schnell umzusetzen ist.

  3. Ich bin nicht von der VAG.
    3 Punkte 1 h/1 Zone, 5 Punkte 2 h/2 Zonen, 7 Punkte 3 h/3 Zonen
    Nur die wenigsten in Freiburg fahren aber 1 h am Stück. Einmal von Littenweiler,Paduaallee, Vauban oder Weingarten ins Zentrum sind ca. 15 min, von den anderen Endstellen weniger als 20 min.
    Wenn man dafür nur 1 oder 2 Punkte zahlt, gehen die Einnahmen aus den Einzelfahrscheinen deutlich zurück. Wahrscheinlich rechnen dann auch manche Monatskartenbesitzer nach und merken, dass es ohne billiger wird.
    Die VAG braucht nicht mehr Kurzstreckenfahrer, sondern mehr Langstreckenfahrer, die den vollen Preis zahlen.

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