Haltestelle Hauptstraße: Ein grüne Oase direkt in Herdern

Mit Vogelgezwitscher, Sonnenstrahlen und vielen kleinen Spazierwegen empfängt mich der Botanische Garten an einem sonst eher kalten und ungemütlichen Februartag. Ein paar Studenten sind auf dem Weg zur Botanik, der ein oder andere Freiburger macht es sich auf einer Bank bequem und macht ein Päuschen. Auszeit-Stimmung mitten in Freiburg-Herdern, nur ein paar Schritte entfernt von der Stadtbahnhaltestelle “Hauptstraße”. Prof. Dr. Speck begrüßt mich in der Gartendirektion. Seit 15 Jahren ist er Direktor des Botanischen Garten Freiburg und man merkt sofort, dass ihm sein Beruf Freude bereitet. Aus seinem gemütlichen Büro voller Bücher bietet sich ein wunderschöner Ausblick über die Wasserbecken bis hin zum Weinbeet.

 

Eine Fläche von vier Hektar ist zwar vergleichsweise klein, aber seit der Neugestaltung des Freilands in den 1970er Jahren erläuft man das Gelände durch Hügel und sich darum schlängelnde Wege Stück für Stück – und entdeckt jede Nische für sich. Zwischen 100.000 und 150.000 BesucherInnen im Jahr zählt der Garten. “Manchen Leuten kann man richtig ansehen, wie der Stress von ihnen abfällt, wenn sie hier sind und sich eine kleine Pause vom Alltag nehmen”, erzählt Prof. Dr. Speck.

Schaufenster der Botanik

Der Botanische Garten ist aber nicht einfach eine hübsche Parkanlage, die zu gemütlichen Spaziergängen einlädt. Er ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Freiburg. Mit ca. 6.000 Pflanzenarten aus aller Welt ist er ein wichtiger Ort Freiburgs für Lehre und Forschung.

Prof. Dr. Thomas Speck ist Direktor des Botanischen Gartens und Leiter der Plant Biomechanics Group.

Studierende der Botanik können zum Beispiel fast alle Pflanzen, die sie für die Pflanzenkunde kennen müssen, im Botanischen Garten selbst finden. Ein zentrales Forschungsthema ist hier die Bionik und auch BesucherInnen können darüber viel lernen – aber dazu später mehr.

Interessierte, die im eigenen Garten ihre Beete reich bepflanzen, können hier auch selbst ein bisschen nachforschen. “Ich würde sagen, maximal 10 Prozent der Pflanzen in deutschen Gärten sind heimisch. Der Rest stammt aus mediterranen Ländern, aber auch zum Beispiel dem vorderen Orient, Ostasien oder Nordamerika”, erklärt Prof. Dr. Speck. In den Herkunftsbeeten im Freiland findet man bekannte Gartenpflanzen, zugeordnet zu “ihrem” Kontinent. Da ist bestimmt auch für den einen oder anderen Hobbygärtner eine Überraschung dabei.

Neue Sehenswürdigkeiten und Bewohner

Momentan sind die Schaugewächshäuser leider aufgrund von Techniksanierungen geschlossen. Aber man darf sich schon auf Anfang April 2017 freuen, wenn die Türen wieder geöffnet werden. Ein neues Mangrovenbecken mit südamerikanischen Mangrovenbäumen, die in Salzwasser wachsen, erwartet die BesucherInnen. Vieraugenfische und Schlammspringer gesellen sich dazu.

Die Schaugewächshäuser sind bald wieder geöffnet.

Denn auch Tiere spielen im Botanischen Garten Freiburg eine Rolle. Zum Beispiel gibt es hier viele Wildbienen. Die dürfen dieses Jahr in ein neues, großes Wildbienenhotel einziehen, wichtiger zusätzlicher Lebensraum. Überhaupt gibt es im Garten eine Vielfalt an Tieren – neben den Wildbienen zum Beispiel auch Libellen, Eichhörnchen, Fledermäuse und Schmetterlinge. “Wobei die Zahl der Schmetterlinge in letzter Zeit gesunken ist – natürlich schade um die schönen Falter, aber auf der anderen Seite gut für unsere Pflanzen, die sonst von den Raupen angefressen werden.”, erzählt Prof. Dr. Speck.

Winter Wonderland

Auch im Winter ist der Botanische Garten einen Besuch wert. Ganz nackt, ohne Blätter und Blüten zeigt die Natur eine andere Seite von sich. “Die Strukturen der Pflanzen, die Verzweigungen in den Ästen der Bäume bieten auf ihre Art und Weise eine etwas andere, aber auch schätzenswerte Ästhetik”, erzählt Prof. Dr. Speck und beschreibt faszinierende Lichtreflexe, die besonders bei Raureif entstehen. Wer sich das Besucherfoto des Monats vom Januar anschaut, versteht die Begeisterung sofort.

Überhaupt bietet der Botanische Garten jeden Monat etwas Neues – zu jeder Jahreszeit lässt sich etwas entdecken. Deswegen fällt es Prof. Dr. Speck auch schwer, sich für einen Lieblingsort zu entscheiden: “Das Weinbeet gefällt mir zum Beispiel besonders, die Weinbergskräuter wie Weinbergs-Tulpen und Weinberglauch.”

Tipps für BesucherInnen

Na, neugierig auf das “Schaufenster der Botanik” geworden? Ein Besuch lohnt sich immer, betont Prof. Dr. Speck: “Man muss nicht immer einen Halbtagesausflug einplanen, wenn man unseren Garten besuchen möchte – für eine kurze Auszeit oder einen erholsamen Spaziergang reichen auch 15-30 Minuten. Dabei ist es natürlich praktisch, dass die Stadtbahnhaltestelle in direkter Nähe liegt.” Ein Ausflug ideal für die Mittagspause oder eine kleine Feierabendrunde.

Und wenn man mehr Zeit mitbringt, umso besser: Der Bionik-Lehrpfad ist das ganze Jahr über ein Erlebnis. In 15 Stationen erfahren BesucherInnnen die Wissenschaft, die Funktionsprinzipien der Natur auf technische Anwendungen überträgt. Ein Beispiel: Der Klettverschluss, der nach dem Vorbild von Klettfrüchten entwickelt wurde.
Auch die Weinbergsblüte von Mitte/Ende März bis Ende Mai (je nach Temperaturverlauf) lohnt sich, oder aber der Tastgarten, der ausdrücklich dazu auffordert, seine Pflanzen zu berühren und mit dem Tastsinn zu erforschen.

Die Führungen für Schulklassen sind ebenfalls beliebt. 70-100 Schulklassen pro Jahr erleben den Botanischen Garten mit viel Spaß an Forschung und Natur. Und obwohl Freiburg bekannt für seine hübschen grünen Nischen ist – und der Schwarzwald ist ja auch nicht weit -, ist so ein Besuch für einige Kinder dann doch die erste Gelegenheit, sich mal ganz intensiv mit der Natur auseinanderzusetzen.

Ein weiteres Angebot für abenteuerlustige Kinder ist die Schatzsuche. In einer Rallye quer durch den Botanischen Garten müssen Pflanzen untersucht und Rätsel gelöst werden. Am Ende ergibt sich ein Code, mit dem eine Schatzkiste geöffnet werden kann. Die “Beute” kann von Eltern und Lehrern vor Beginn aufgestockt werden. Dieses Abenteuer ist in mehreren Versionen für unterschiedliche Altersgruppen verfügbar.

Die Programmpunkte für Kinder und Jugendliche schenken Spaß und Begeisterung für die Natur und werden dank freiwilligen Einsatzes des Teams vom Botanischen Garten ermöglicht.

Lust auf einen Besuch im Botanischen Garten bekommen? Los geht’s – die Linien 2 und 4 fahren an die Haltestelle “Hauptstraße”, von dort sind es nur noch wenige Meter.
Der Eintritt in den Botanischen Garten ist kostenlos.

Öffnungszeiten:

Täglich: 8:00-18:00 Uhr
Die Gewächshäuser sind aufgrund der Techniksanierungen noch geschlossen, öffnen aber voraussichtlich wieder Anfang April 2017.

Mehr Infos gibt’s auf der Seite des Botanischen Garten Freiburg.

Ein herzliches Danke an Prof. Dr. Speck und den Botanischen Garten Freiburg.

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