Hinter den Kulissen – Wie Busse und Bahnen in Fahrt kommen

Wer sich als Fahrgast von der VAG befördern lassen möchte, stellt sich einfach nur an die nächstgelegene Haltestelle und wartet, bis der Bus oder die Bahn in die Haltestelle einfährt. Doch was muss zuvor alles passieren, damit ein Bus oder eine Stadtbahn pünktlich an der Haltestelle ankommt?

Alles steht und fällt bereits am frühen Morgen mit der Fahrerin oder dem Fahrer. Sie bzw. er hat bereits im Voraus einen Fahrdienst zugeteilt bekommen. Ein Fahrdienst beschreibt, auf welcher Linie, welchem Kurs (ein Kurs = ein bestimmtes Fahrzeug auf einer Linie, das den ganzen Tag unterwegs ist) und zu welcher Uhrzeit ein Fahrer*in unterwegs ist. Unterschieden werden die verschiedenen hunderte Dienste anhand von drei- oder vierstelligen Nummern. Anhand der Diensteinteilung weiß der Fahrer*in, wo und wann er seinen Dienst beginnen muss. Ein Fahrdienst ist eine Art persönlicher Fahrplan des Fahrers für seinen Dienst.

Fahrdienst und Kursbuch – zwei, die nicht ohne einander können

Der Fahrer*in tritt seinen Dienst an, indem er sich mit seiner Mitarbeiterkarte an einem Terminal anmeldet. So weiß die Leitstelle, dass er auch wirklich anwesend ist. Sollte er z. B. mal verschlafen und sich nicht anmelden, erhält die Leitstelle eine Meldung und kann rasch Ersatz organisieren. Als nächstes nimmt er sich aus einem großen Regal das sogenannte „Kursbuch“ heraus. Während der Fahrdienst der Fahrplan des Fahrers ist, ist das Kursbuch der Fahrplan des Fahrzeugs. Es bleibt von der Ausfahrt morgens bis spät abends zur Einfahrt auf dem Fahrzeug. Jedes Kursbuch gehört zu einer spezifischen sog. Kursnummer, z. B. Kurs 111. Ausgesprochen könnte man sagen „Linie 1, Kurs 11“, also das 11. Fahrzeug, das auf der Linie 1 den ganzen Tag hin- und herpendelt.

Anhand der Kursnummer kann der Fahrer*in nun auf der Ausfahrtsliste sehen, welchen Bus oder welche Bahn er fahren muss und wo genau in den weitläufigen Abstellhallen auf dem Betriebshof das Fahrzeug steht.

Bordcomputer an!

Am Fahrzeug angekommen schaltet der Fahrer*in das Fahrzeug erst einmal ein und wartet bis alle Systeme betriebsbereit sind. Als nächstes gibt man im Bordcomputer die Linie und den Kurs ein, damit die Fahrplandaten geladen werden. Der Bordcomputer steuert sämtliche Anzeigen und Displays am und im Fahrzeug, damit das Fahrtziel und die nächsten Haltestellen korrekt angezeigt werden. Gleichzeitig steuert er dass, die Haltestellenansagen korrekt angezeigt werden sowie das Ausrufen der nächsten Haltestelle und Sonderansagen. Bei der Stadtbahn ist er auch für die Weichensteuerung zuständig, damit die Weichen immer in die richtige Richtung gestellt werden. Außerdem kann der Fahrer am Bordcomputer sehen, ob seine Abfahrt bzw. Ankunft an einer Haltestelle verfrüht oder verspätet ist.

Der Bordcomputer (angeschlossen am RBL = Rechnergesteuertes Betriebsleitsystem) ist dafür zuständig, dass auf den Bussen und Straßenbahnen das richtige Ziel angezeigt wird, die richtigen Ansagen abgespielt werden und sich die Weichen im Streckennetz stellen. Ebenso kann der Fahrer jederzeit mit der Leitstelle funken.

Damit nachvollzogen werden kann, wer wann gefahren ist, trägt sich der Fahrer im Mängelberichtsbuch ein. Hier werden z. B. Anfangs- und Enduhrzeit des Dienstes, Kilometerstände und auch etwaige aufgetretene Mängel dokumentiert, damit diese dann rasch behoben werden können, wenn das Fahrzeug wieder zurück auf dem Betriebshof ist.

Kontrolle ist besser

Nachdem alles hochgefahren, programmiert und eingetragen ist, widmet sich der Fahrer nun dem wichtigsten Teil: Der Abfahrtskontrolle. Hierbei checkt der Fahrer alle sicherheitsrelevanten Funktionen und Einrichtungen des Fahrzeugs. So wird die Außenbeleuchtung kontrolliert, ob die Türen richtig arbeiten und der Einklemmschutz funktioniert und ob es sonstige Auffälligkeiten oder Beschädigungen gibt, die die Sicherheit gefährden könnten.

Beim Bus wird zusätzlich noch ein Blick auf die Räder geworfen, ob z. B. Beschädigungen am Reifen vorhanden sind oder eventuell Radmuttern lose sind. Bei der Straßenbahn werden zusätzlich die verschiedenen Bremssysteme getestet, d. h. vor der Ausfahrt wird eine Gefahrenbremsung durchgeführt. Außerdem werden separat die Magnetschienenbremsen probehalber fallen gelassen, der Not-Aus betätigt und die Besandungseinrichtung geprüft. Den Sandwurf betätigt der Fahrer manuell einige Sekunden lang damit genug Sand vor die Räder gestreut wird, so dass beim Gang um das Fahrzeug überprüft werden kann, ob überall Sand vor den Rädern liegt. Der Sand unterstützt auf rutschigen oder schmierigen Schienen den Bremsvorgang. (Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag https://blog.vag-freiburg.de/warum-auch-strassenbahnen-auftanken-muessen/) Außerdem werden noch andere wichtige Einrichtungen wie z. B. die Glocke, Ausrufanlage, Scheibenheizung oder Scheibenwischer auf Funktionstüchtigkeit überprüft.

Das Drücken des Notaus-Knopfs bewirkt, dass die Straßenbahn eine Gefahrenbremsung auslöst und der Stromfluss zwischen dem Fahrzeug und der Oberleitung unterbrochen wird. Dies ist wichtig, falls die Straßenbahn sich wegen eines technischen Defektes nicht bremsen lässt, damit das Fahrzeug sicher zum Stehen kommt und niemand gefährdet wird.

 

Auch die Magnetschienenbremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil, welches im Gefahrenfall ein schnelles Anhalten der Straßenbahn gewährleistet. Die Magnetschienenbremse besteht aus eisernen Schleifschuhen mit eingebauten Elektromagneten. Bei Aktivierung der Schienenbremse fließt durch die Magneten Strom und dadurch werden die Magneten an die Schiene angezogen.

Beim obligatorischen Rundgang um das Fahrzeug werden u. a. Beleuchtung, Fahrrichtungsanzeiger und Zielanzeigen kontrolliert.

Artikel und Fotos wurden von unserem Auszubildenden zur Fachkraft im Fahrbetrieb, Jerome Luge, erstellt.

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