Hier funkt’s: Die Leitstelle

Manchmal reicht ein Anruf: „Ich stehe gerade am Hauptbahnhof – hier gab es einen Unfall.“ Jetzt muss Herbert Vogt, Verkehrsmeister der VAG, in der Leitstelle schnell handeln: Der Einsatzwagen E6 wird losgeschickt, um zu schauen, wie es vor Ort aussieht. Dann werden die Fahrer der Linie 11, die sich in der Nähe aufhalten, per Funk kontaktiert: „Es kann zum Stau kommen. Falls der Verkehr umgeleitet werden muss, geben wir Bescheid, wie Sie am besten fahren.“

Zwar ist es ein sogenannter Fremdunfall, das heißt kein Fahrzeug der VAG ist involviert, trotzdem kann das natürlich Auswirkungen auf unseren Linienverkehr haben. Denn schon schnell meldet ein Fahrer der Linie 11 zurück: „Ja, ich stehe bereits im Stau. Ich bin noch nicht mal an der Haltestelle Rehlingstraße.“ Herbert meldet: „Okay, dann warten Sie bitte an der Haltestelle Rehlingstraße und kontaktieren Sie mich, wenn Sie dort angekommen sind. Dann kann ich Ihnen sagen, ob sie normal fahren können oder lieber abbiegen.“ Der Fahrer gibt sein OK. Jetzt muss abgewartet werden. Schon bald melden sich die Kollegen aus dem Einsatzfahrzeug E6: „Es geht langsam voran.“ Die für den Bus relevante Spur ist schon wieder frei. Herbert gibt dem Fahrer Bescheid – und die Situation ist geklärt.

Ohne Spontaneität geht in der Leitstelle nichts

„Wegen solcher Situationen muss man echt spontan handeln können, wenn man hier arbeitet.“, erklärt Herbert. „Da muss manchmal schnell umgeplant werden.“ Es ist noch sehr früh, halb sieben Uhr morgens, um genau zu sein. Um diese Uhrzeit ist die Leistelle mit zwei Personen besetzt: Ein Verkehrsmeister ist immer da. Er wird von Jürgen, einem Fahrausweisprüfer, unterstützt. Ein Teil unserer Fahrausweisprüfer hat nämlich drei Aufgaben: Fahrausweise prüfen, selbst fahren und Leistellendienst.

„Wir zwei schmeißen den Laden“, lacht Herbert. Aber dann ist das nicht mal mehr so klar: Ein Fahrer meldet, dass er wegen Krankheit nicht zu seinem Dienst kommen kann. „Haben wir noch Leute? Wenn nicht, musst du raus“, sagt Herbert zu Jürgen. Zum Glück findet sich noch ein anderer Kollege, der einspringen kann.

Denn alleine in einer der Hauptverkehrszeiten zu sein, wenn alle Pendler und Schüler unterwegs sind, „dann wird’s viel“, sagt Herbert.

Informieren, Helfen, Handeln

In der Leitstelle passiert nämlich ganz schön viel gleichzeitig: Zum einen überwacht das Personal hier auf Bildschirmen und per Funk den kompletten Linienverkehr: Wo kommt es zu Verspätungen? Gibt es Strecken, die kurzfristig nicht befahren werden können? Auch ist die Leitstelle für die Fahrer und Fahrerinnen im Netz stets erreichbar und Ansprechpartner.

Heute, so früh morgens, ist zum Beispiel der Fahrdraht im Bereich Haltestelle Gundelfinger Straße vereist. Dadurch kann der Bügel des Fahrzeugs Kontakt verlieren – somit fehlt die Spannung, das Fahrzeug kann nicht weiterfahren. Herbert gibt dem Fahrpersonal Rat und Lösungsvorschläge, so dass es bald weiter gehen kann. Praktisch sind dabei die großen Bildschirme, auf denen er wichtige Haltestellen direkt live sehen kann: „Die Kameras nehmen aber nicht auf. Es gibt nur eine Liveübertragung – ohne Zoomen und Schwenken. Wir müssen natürlich die Datenschutzbestimmungen einhalten.“ Besonders nützlich sind diese Bildschirme, um den Überblick zu bekommen, den der Fahrer vor Ort eventuell gar nicht haben kann. Im Moment beobachtet man sprühende Funken an der Haltestelle Gundelfinger Straße: Auch eine Folge der vereisten Fahrdrähte – aber nicht weiter schlimm.

„Schwierig wird es, wenn man nicht abschätzen kann, wie lange eine Störung dauert,“ erklärt Herbert. Dann kann es zu Stau und Lücken im Fahrplan kommen, weil nicht sofort ein Ersatzverkehr oder ähnliches eingerichtet werden kann. Auch die Fahrgastinformation auf den DFIs, die von hier mit Text gepflegt werden, kann dann nicht verlässlich stattfinden. Wenn möglich, gibt die Leitstelle aber immer Hinweise – sei es auf den DFIs oder mit Durchsagen in den Fahrzeugen und an den Haltestellen. „Dafür haben wir neuerdings sogenannte Aktionspläne. Total praktisch: Für bestimmte Fälle gibt es einen vorprogrammierten Aktionsplan, der sofort eine Reihe Befehle startet: Linienankündigungen auf den DFIs werden ausgeschaltet, stattdessen läuft eine Fahrgastinfo durch. Die passende Durchsage läuft auch im Fahrzeug. Dadurch kann alles ganz schnell gehen.“

„Mein Seitenspiegel hat einen Ampelmast gestreift – der ist hin“, meldet eine Straßenbahnfahrerin. Ungewöhnlich – der Spiegel muss falsch eingestellt gewesen sein, oder sich fälschlich bewegt haben. Jetzt ist es aber zu spät. Herbert gibt der Werkstatt Bescheid – die Kollegen fahren zur Endhaltestelle der Linie, um schnell den Spiegelarm auszutauschen. Die Fahrerin bekommt Bescheid, dass Hilfe kommt und sie zur Endhaltestelle weiterfahren soll.

Eine weitere Aufgabe der Leistelle: Die Fahrgastinformation. Außerhalb der Öffnungszeiten des Kundenzentrums VAG pluspunkt kommen die Anrufe hier rein: „Die Straßenbahn hält an und ich drücke den Knopf, aber die Tür ging einfach nicht auf!“ Herbert gleicht die Daten ab: „Das ist aber wirklich ein Pech. Genau von dieser Bahn wurde uns eben gemeldet, dass sie eine Türstörung hat. Jetzt standen Sie leider genau an der Tür, die nicht auf geht. Tut mir Leid, das war keine Absicht!“ Immerhin eine Erklärung für das ärgerliche Erlebnis.

Hier braucht es Allroundtalente

Durch die vielen unterschiedlichen Aufgaben, braucht ein Mitarbeiter in der Leitstelle auch besondere Eigenschaften: „Spontaneität ist das Wichtigste!“, sagt Herbert, „Dann ist es natürlich auch wichtig, dass man Freiburg und unser Liniennetz richtig gut kennt. Auch über die Technik unserer Fahrzeuge und Anlagen muss man genau Bescheid wissen, um weiterhelfen zu können.“ Dazu kommen Ruhe, Entscheidungsfähigkeit und Sachlichkeit. „Das Schlimmste, was man tun kann, ist, dem Fahrer oder der Fahrerin nichts zu sagen.“ Damit alle diese Kenntnisse und Erfahrungswerte gegeben sind, werden Stellen in der Leistelle nur intern vergeben.

„Insgesamt ist es wirklich ein Traumjob!“, lächelt Herbert.

Ein Blick in die Leitstelle – 360° auf unserer Facebookseite

3 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich habe mit viel Interesse den Beitrag über die Leitstelle gelesen.
    Mich würde interessieren, wie bei einer plötzlichen Srtrabunterbrechung der Ersatz organisiert wird. Wieviele Busse und -fahrer stehen im ’stand bye‘ für solche Fälle bereit und sind jederzeit verfügbar ?

    • Susanne von der VAG Blog Redaktion

      Hallo André Nagel,
      danke für das Interesse. Generell gibt es immer zwei Reservefahrer/innen, dazu kommen im Notfall unsere Fahrausweisprüfer, von denen auch viele fahren können. Auch in unserer Verwaltung und Werkstatt gibt es Kollegen und Kolleginnen mit Bus- und/oder Straßenbahnführerschein.
      Wir haben Ersatzbusse, da kommt es auf Tag und Uhrzeit an, wie viele zur Verfügung stehen.
      Wenn absehbar ist, dass eine Unterbrechung länger anhält, organisiert die Leitstelle einen Schienenersatzverkehr.
      Viele Grüße
      Susanne

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