Linie 31 – zwischen Maisfeldern, Weintrauben und Fachwerkhäusern

„Was ist deine Lieblings-Buslinie im VAG-Netz?“ – diese Frage habe ich mir gestellt und die Antwort darauf ist keineswegs einfach. Viele schöne Bustrecken gibt es rund um Freiburg, jede ist besonders auf ihre eigene Art und Weise. Schlussendlich habe ich mich für eine weniger bekannte und dennoch spannende Strecke entschieden: die Buslinie 31. Passend zum kommenden Herbst begeben wir uns auf eine Reise quer durch die Landschaft des Weinanbaugebiets am Tuniberg. Der Bus durchquert kleine und größere Ortschaften, begonnen mit dem Freiburger Stadtteil Lehen, fährt dann nach Umkirch, Waltershofen und Merdingen, anschließend Nieder- und Oberrimsingen, vorbei an Gündlingen und Hochstetten und endet schließlich an der Grenze zu Frankreich – in Breisach.

Die Landschaft, welche der Bus durchquert, ist auffallend grün, geprägt durch Mais- und Sonnenblumenfelder, Reben und Obstbäume. Die kleinen Ortschaften bestechen mit ihrem Charme durch historische Fachwerkhäuser, traditionelle Weingüter und gemütliche Dorfplätze, welche zum Verweilen einladen.

Unsere Reise beginnt in der Paduaallee. Morgens steige ich in den Bus ein und mich erwartet eine nahezu freie Platzwahl. Die Fahrt geht los.

Linie 31 an der Haltestelle Paduaallee

Linie 31 an der Haltestelle Paduaallee

Lehen

Die erste Station auf der Fahrt nach Breisach: Der Freiburger Stadtteil Lehen. Lehen gehörte nicht immer zu Freiburg, sondern war lange Zeit, bis 1971, eine eigenständige Gemeinde. Historisch geprägt wurde die ehemalige Gemeinde durch den „Bundschuhaufstand“, welcher sich 1413 unter dem Anführer Jos Fritz ereignete. Eine Gruppe von Bauern und Handwerkern fand sich zusammen, um sich gegen hohe Steuern und Abgaben, welche ihnen vom Adel und der Kirche auferlegt worden waren, zur Wehr zu setzen. Doch die Verschwörung wurde verraten, Verurteilungen und Hinrichtungen waren die Folge. Jos Fritz jedoch gelang die Flucht.

Wer die historischen Ereignisse noch einmal hautnah verfolgen möchte, kann sich auf den 3,4 km langen „Bundschuhpfad“ begeben. Dieser beginnt an der Bundschuhalle, erstreckt sich über 14 Stationen und endet am gleichen Ort mit der Bundschuh-Eiche. Nebenbei lässt sich die wunderbare Aussicht vom „Lehener Bergle“ aus genießen. Die Haltestelle „Kirchbergstraße“ ist nur wenige Meter vom Beginn des Pfades entfernt.

Zudem ein kleiner Geheimtipp, für alle, die gerne mal abtauchen: Das Hallenbad in Lehen bietet zusätzlich zum normalen Schwimmbadeintritt Aqua-Zumba-Kurse und Aqua-Cycling-Kurse an.

Das Lehener Hallenbad in der Lindenstraße.

Das Lehener Hallenbad in der Lindenstraße.

Umkirch

Wir begeben uns auf weiter auf unserer Reise mit der Linie 31. Unser nächster Stopp ist Umkirch.

Dass Umkirch beizeiten von den Römern besetzt wurde, lässt sich nicht verleugnen. Dies beweisen zahlreiche Fundstücke wie beispielsweise Münzen oder Keramik.

Die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt ist das älteste Gebäude des Ortes und gilt sogar als die älteste Kirche des Breisgaus. Sie steht über den Resten eines römischen Gebäudes.

Direkt an der Haltestelle „Umkirch Adler“ befindet sich der alte Gutshof mit Scheunen. Der angrenzende Platz mit dem schönen Brunnen lädt zu einer Pause zum Entspannen ein. Wer möchte schnappt sich ein Buch dazu aus der nahegelegenen Telefonzelle.

Waltershofen

Von Umkirch geht es weiter nach Waltershofen. Schon am Ortseingang lässt sich erahnen, dass der Wein hier eine große Rolle spielt. Rebstöcke kündigen den Weinbau an, ein paar Meter weiter, direkt an der Bus-Haltestelle „Schutternstraße“, stoßen wir dann auf ein großes Weinfass, welches mit der Inschrift „Weinort Waltershofen“ alle Vermutungen bestätigt.

Waltershofen liegt direkt am Tuniberg. Der Weinbau mit einer 145 Hektar großen Rebfläche trägt wesentlich zum Reichtum dieser Ortschaft bei. Dies dürfte auch dazu geführt haben, dass der Weinstock in das Waltershofener Gemeindewappen aufgenommen wurde.

Aber nicht nur der Weinanbau findet in Walterhofen beste Bedingungen. Auch der Spargelanbau wird in Waltershofen begünstigt.

Von hier aus lässt sich auch der Tuniberg-Höhenweg beginnnen. Ob mit dem Rad oder zu Fuß, diese wunderbare Landschaft sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Merdingen

Wir gelangen zur nächsten Ortschaft: Merdingen. Auch hier sind ideale Vorraussetzungen für den Anbau von Wein, Obst und Spargeln gegeben. Hierfür sorgen das milde Klima und die fruchtbaren Lößböden. Der Wein „Merdinger Bühl Spätburgunder“ hat unter Weinkennern bereits große Bekanntheit erlangt. Das Wort „Bühl“ hat seinen Ursprung aus dem Mittelalter und bedeutet so viel wie „Hügel“ oder „Anhöhe“. Die Lage „Merdinger Bühl“ befindet sich somit an der westlichen Steilkante dieses Höhenrückens.

Auch ein kleiner Spaziergang durch den Dorfkern des Ortes lohnt sich: Es lassen sich unter anderem historische Fachwerkhäuser und die antike Barockkirche St. Remigius entdecken.

Weiter geht die Busfahrt vorbei am Steinbruch Kalkwerk Merdingen, durch weitere Mais- und Sonnenblumen-Felder.

Wunderschöne Sonnenblumenfelder.

Wunderschöne Sonnenblumenfelder.

Niederrimsingen

Schließlich gelangen wir nach Niederrimsingen, eines der vier Stadtteile Breisachs. Die Pfarrkirche St. Laurentius sticht beim Schlendern durch den Dorfkern direkt ins Auge. Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert im Barockstil erneuert. Der Kirchturm mit seinen beiden Arkadengeschossen ist einer der ältesten des Oberrheins.

Auch der Hunnenkönig Attila hat am Tuniberg seine Spuren hinterlassen. Während seines Siegeszuges machte dieser auch Halt in Breisach. Die Bürger boten ihm selbstgebrautes Bier an, er verlangte jedoch den feurigen Wein vom nahen Tuniberg. Diesen konnte Attila allerdings nicht allzu lange genießen, denn bei einer Schlacht am Rhein kam dieser zwei Jahre später ums Leben. Der König soll in einem dreifachen Sarg aus Gold, Silber und Eisen auf dem Tuniberg begraben worden sein. In Anlehnung an diese Sage ist die Weinlage bei Niederrimsingen unter „Attilafelsen“ bekannt.

Oberrimsingen

Es wundert uns nicht, dass wir auf der weiteren Busfahrt kaum merken, dass wir in einen neuen Ort gelangen. Denn Rimsingen war ursprünglich ein gemeinsamer Ort, um 1000 erfolgte dann die Trennung in Nieder- und Oberrimsingen.

Eine besondere Attraktion in diesem Ort ist das Schloss Rimsingen. Im 18. Jahrhundert wurde der Falkenstein`sche Gutshof zum Schloss im Stil des französischen Frühklassizismus ausgebaut. Seit 1985 ist das Schloss im Besitz der Familie Hosp. Unter dieser fanden umfangreiche Sarnierungsarbeiten statt und eine Kunstgalerie, ein Veranstaltungsraum und eine Kleinkunstbühne wurden errichtet. Auch heute noch können die einzigartigen Räumlichkeiten für Festlichkeiten angemietet werden und zusammen mit der Kleinkunstbühne wird regelmäßig zu verschiedenen Events eingeladen.

Der Burgunderpfad ist ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Der Burgunderpfad ist ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Für Wanderlustige empfiehlt es sich von Oberrimsingen aus den „Burgunderpfad“ zu beginnen.   Dazu steigen Sie einfach an der Bus-Haltestelle „Oberrimsingen Dorfplatz“ aus, folgen weiter der Hauptstraße und begeben sich anschließend rechts in den Leinenweg. Die Tour erstreckt sich über das gesamte Gebiet des Tunibergs, es können aber auch nur einzelne Abschnitte erkundet werden. Von dort oben lassen sich in der Ferne der Kaiserstuhl, der Schwarzwald, die Rheinebene und die Vogesen erblicken. Nebenbei kann auch etwas über die verschiedenen Rebsorten gelernt werden: Entlang des Burgunderpfades stehen informative Thementafel, illustriert von dem bekannten Cartoonisten Peter Gaymann. Schmunzeln Sie mit. Die Strecke in voller Länge beträgt 16,2 km und dauert circa 4,5 Stunden.

Gündlingen

Auch in Gündlingen erwartet uns eine beeindruckende Pfarrkirche im Ortskern. Der Chor der St. Michaelskirche wurde im 19. Jahrhundert verlängert und der Turm wurde neu gebaut. Die ursprünglich romanische Westturmkirche besitzt jetzt eine neugotische und neubarocke Ausstattung.

Hochstetten

Wir gelangen nach Hochstetten. Benannt nach der Lage am einstigen Hochgestade des Rheins, ist Hochstetten seit etwa 1200 v. Chr. besiedelt und zur Keltenzeit ein wichtiger Hafenort und Handelsplatz, an dem auch bereits Münzen geprägt wurden. An der Haltestelle „Hochstetten-Adler“ stoße ich auf eine Dame mit gefülltem Wassereimer – der Dorfbrunnen Hochstettens. An der nächsten Haltestelle lässt sich zum ersten Mal ein Blick auf Breisach erhaschen.

Dorfbrunnen in Hochstetten.

Dorfbrunnen in Hochstetten.

Breisach

Schließlich gelangen wir an das Ziel unserer Reise: Breisach. Das Städtchen, direkt am Rhein gelegen, wird von den verschiedensten Nationalitäten besucht und man fühlt sich schon weit entfernt von Freiburg, ein bisschen wie im Urlaub. Das mag daran liegen, dass wir uns nun direkt an der französischen Grenze befinden. Vom Bahnhof Breisach ist es nicht weit ins Zentrum. Hier kann man wunderbar durch gepflasterte Straßen mit kleinen Läden und Cafés schlendern.

Dabei fällt der Blick schnell nach oben auf das Münster, welches auf dem gleichnamigen Berg in die Höhe ragt. Bei diesem Anblick ist der Entschluss schnell gefasst: Ab durch das historische Gutgesellentor und hinauf auf das Plateau des Münsterberges. Nach dem Aufstieg folgt die Belohnung: auf einer der vielen Bänke kann man es sich bei einem leichten, angenehmen Luftzug gemütlich machen und über den Dächern Breisachs das Geschehen der vorbeifahrenden Boote auf dem Rhein beobachten.

Dabei kommt mir eine Idee: Wie wäre es zum Abschluss mit einer Schifffahrt auf dem Rhein? Von diesem Einfall motiviert beginne ich meinen Abstieg und mache mich auf den Weg zu den Ufern des Rheins…

Lust auf eine kleine Schiffstour?

Lust auf eine kleine Schiffstour?

Dieser Blogbeitrag wurde von Linda Tröndle verfasst. Sie ist Praktikantin in der Marketingabteilung der VAG.

Ein Kommentar

  1. 11!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    BESCHTE LINIE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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