Im Westen viel Neues: Die Stadtbahnlinie 4 geht in die Verlängerung

Am 13. Dezember eröffnen wir den zweiten Streckenabschnitt der Linie 4. Die magentafarbene Linie fährt ab diesem Zeitpunkt am neuen SC-Stadion vorbei bis an ihr Ziel: die Freiburger Messe.

Der neue Streckenabschnitt der Linie 4 misst zwar nur 970 Meter. Doch die haben es in sich: 10- bis 20.000 Fahrgäste bei Heimspielen des SC Freiburg, jährlich etwa 800.000 BesucherInnen von Veranstaltungen auf der Freiburger Messe – mit der Linie 4 fährt die Stadtbahn auf Höchstleistung.

Mobilität in alle Richtungen

Die neue Endhaltestelle der Linie 4 kurz vor der Freiburger Möbelmeile wird zu einem wichtigen Knotenpunkt der Freiburger Mobilität. Die Busumsteigeanlage bietet Platz für acht Busse – hier werden Busverkehre aus Stadt und Umland miteinander verknüpft. Radfahrbügel und der bereits vorhandene P+R-Parkplatz ermöglichen den Umstieg zur Stadtbahn von Fahrrad und Auto. Das rote VAG Gebäude in der Wendeschleife steckt voller Technik und bietet zusätzlich einen Aufenthaltsort für Fahrpersonal in seiner Pause. Eine ebenerdige Fußgängerüberquerung mit Ampelschaltung bringt Event-BesucherInnen über die Madissonallee auf das Messegelände.

76 P&R-Plätze an der Endhaltestelle ermöglichen einen einfachen Umstieg von PKW zu Stadtbahn und Bus. Das rote Gebäude ist ein Technik- und Sozialgebäude mit Fahreraufenthaltsräumen.

Mit der neuen SC-Arena und der Freiburger Messe mit vollem Programm im ganzen Jahr sind die neuen Haltestellen der Linie 4 vor allem für große Menschenmengen ausgelegt. Und das war nicht die einzige Herausforderung bei der Planung und Umsetzung der neuen Strecke.

Stadionverkehr

Die Haltestelle „Stadion“ wird stadtauswärts nur bei Heimspielen des SC Freiburg und bei großen Open-Air-Konzerten auf dem Messegelände bedient. Dann wechseln die stadtauswärts fahrenden Bahnen bei der Haltestelle auf das Gegengleis. Die Fahrgäste steigen auf der linken Seite aus.

Für die Heimfahrt der Fußballfans mit der Straßenbahn haben wir ein Leitsystem entwickelt. Vom Stadion kommend können sich die Fahrgäste rund 100 Meter vor der Haltestelle für einen von drei Korridoren entscheiden. An deren Eingang steht die jeweilige Fahrtrichtung der dort wartenden Züge. Von der erhöhten Leitstellenwarte aus koordinieren unsere Verkehrsmeister das Geschehen. Das Aufsichtsgebäude im Haltestellenbereich ermöglicht uns den besten Überblick, um Menschenströme und Stadtbahn sicher zu koordinieren. Die nördliche der drei hintereinanderliegenden Haltestellen ist die reguläre Haltestelle der Linie 4. Auch an Spieltagen werden hier die Linienfahrzeuge halten, die im Übrigen in der Lage sein werden, die vor ihnen noch stehenden Fahrzeuge bei Bedarf zu überholen.

Tagsüber heißt es Abflug!

Der Flugplatz in unmittelbarer Nähe der Strecke forderte die Einhaltung der Vorschriften zur Flugsicherheit. Damit die Stadtbahn und die dazugehörige Oberleitung den nötigen Sicherheitsabstand zur Einflugschneise des Flugplatzes haben, musste die Streckenführung abtauchen. Ja, richtig gelesen: circa 300 Meter der Gleisanlagen sind tiefergelegt. An der niedrigsten Stelle beträgt der Abstand von Schiene zu Flugplatzgelände etwa 1,60 Meter. Daraus resultierte auch die Stützmauer, für deren bunte Gestaltung der Graffiti-Künstler Tom Brane https://blog.vag-freiburg.de/graffiti-wand/ engagiert wurde.  Eine weitere sichtbare Besonderheit: Die roten „Ballons“ auf den Oberleitungsmasten sind spezielle Tageskennzeichnungen für den Flugverkehr.

Das Aufsichtsgebäude im Haltestellenbereich ermöglicht uns den besten Überblick, um Menschenströme und Stadtbahn vor und nach SC-Spielen sicher zu koordinieren.

Sanfte Fahrt für die Wissenschaft

Ebenfalls in der Nähe der Strecke befindet sich die Technische Fakultät der Universität Freiburg. Hier wird gelernt und geforscht. Damit die hochsensiblen Messungen nicht gestört werden, wurde besonderer Fokus auf die Minimierung von Erschütterungen gelegt. Dazu haben wir Weichen mit sogenanntem Überlaufherzstück eingebaut. Dieses ermöglicht ein besonders sanftes Überfahren der Schienen im Regelbetrieb. Ebenfalls wurde unter der Trasse der Boden mit mehr Beton als üblich verstärkt, als Dämpfer. Eine Gegenleitung zum Ausgleich des elektromagnetischen Felds der Oberleitung vervollständigt ein maßgeschneidertes Konzept, das Stadtbahnverkehr und Forschung zugleich ermöglicht.

Damit die hochsensiblen Messungen der Forschung nicht durch Erschütterungen gestört werden, haben wir spezielle Weichen eingebaut.

Gewöhnlich feiern wir unsere Stadtbahneröffnungen gerne fröhlich und ausgelassen mit Freiburgerinnen und Freiburgern. Das können wir dieses Jahr leider nicht. Wir freuen uns dennoch auf die neue Strecke! Ihr seid herzlich eingeladen mitzufahren. 🙂

7 Kommentare

  1. Wilfried Glennemeier

    Glückwunsch zur Premierenfahrt und zu dem gelungenen Projekt. Tolles Video, nur die Musik ist nicht ungefährlich. Da kommen einem bei einem solch trüben Tag schon Selbstmordgedanken. Eigentlich ist es doch eine prima Sache, da passt die gedrückte Stimmung der Musik echt nicht zu.

  2. Spaßfrage: Wann beginnt das Elfmeterschießen? Bezieht sich nicht alleine auf die Linie 4, sondern auch und insbesondere da, auf das Stadion. Dort wird irgendwann einmal bei einer KO-Runde das Genannte passieren, falls alles vorbei ist und kein Sieger feststeht.

    • Herzlichen Glückwunsch zur neuen Linie! Allzeit gute Fahrt! Ich freue mich ganz besonders, da diese in meiner unmittelbaren Nachbarschaft fährt. Auch das Video ist wirklich gut gelungen, bis auf diese wirklich sehr bitte und trist klingende Musik, die zu so einem freudigen Anlass nicht allzu gut passt. Dürfte gerne etwas freundlicher klingen.

      Alles Gute,
      Christian Mack

  3. Ja, Freiburg ist wirklich ein beispielhafte ÖPNV-Stadt. Es beeindruckt mich sehr, wie man in der sympathischen Stadt dem Druck der Autolobby standhält. Ganz anders als in meiner Stadt Duisburg, wo man den städtischen Nahverkehr stiefmütterlich behandelt mit dem Argument des fehlenden Geldes. Kein Wunder, dass Duisburg kürzlich zur unsympathischsten deutschen Großstadt erklärt wurde. Aus aufgegebenen ÖPNV-Trassen werden Parkplätze, ein Beispiel für die Wertschätzung des ÖPNV.
    Manfred Sander Duisburg

  4. Lieber Herr Sander
    Was Sie aus Ihrer Heimatstadt berichten, klingt schrecklich. In Freiburg gab es Pläne, eine Kabinenbahn einzuführen und die Straßenbahn, heute die Stadtbahn, abzuschaffen. Das war zwischen 1969/70. Das genannte Projekt zerschlug sich und der damalige OB Keidel wollte eine Stadtbahn nach Landwasser hinausbauen. Das schlug hohe Wellen. Die VAG erwarb die ersten GT8. Die Freiburger schüttelten den Kopf. 1983 bzw.1985 kam diese Linie und die Stadtbahnwagen waren so voll, das niemand stürzen konnte, weil man so dicht zusammenstand. Die heutigen Linien kamen nun nach und nach. Linie 4 hatte anfangs ein Paradoxon: Da die damalige Haltestelle Siegesdenkmal in Insellage lag, konnten nur GT8Z verwendet werden, da die Combino und Urbos zu lang waren. 2017 wurde die Haltestelle vor Karstadt gelegt und lang genug und das Problem gelöst usw. In Ihrer Heimatstadt Duisburg liegt eine ÖPNV-Politik vor, die wohl der größte Rückschritt aller Zeiten ist. Grüne Politiker dürften die Haare zu Berge stehen, so dass sie alle im Afro-Look herumlaufen würden. Alles sehr schade. Da gebe ich Ihnen absolut Recht

  5. Die Stadionhaltestelle ist beeindruckend! Mal sehen, wie sie sich dann im Betrieb bewährt. Aber warum wird die Schleife im Uhrzeigersinn befahren und nicht entgegen? So sind sich die Bahnen bei Ein- und Ausfahrt der Schleife ja selber im Weg(?)

  6. Sehr geehrter Herr Chris
    In Freiburg werden diverse Wendeschleifen im Uhrzeigersinn erfahren. Hier aber sind sich die Wagen nicht im Weg. Denn immer, wenn eine Bahn aus oder einfährt, ist entweder keine zweite präsent oder wird kurz aufgehalten, bis die erste Bahn über das Kreuz fährt. Die Schleife „Messe“ kann darüber hinaus nicht im Uhrzeigergegensinn gefahren werden, da sonst die Bahnen wie in Großbritannien auf der linken Seite fahren würden. Schauen Sie sich einmal die Wendeschleife im Bereich der Einfahrt genau an. Die Wendeschleife „Gundelfinger Straße“ wird genau so angefahren und auch hier im Uhrzeigersinn. 2023 wird die Wendeschleife „Hornusstraße“ im Uhrzeigergegensinn angefahren. Grund: Durch die neue Trassierung in der Waldkircher Straße wird eine Umkehr nötig, da sonst die Bahn links wie in Großbritannien fahren würde. Die Wendeschleife Schwabentor wird im Uhrzeigergegensinn erfahren, da es richtungsbedingt nicht anders geht. Diese kommt bei Unterbrechungen zum Einsatz.

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