Das liebe Geld und der ÖPNV im RVF

Über Geld redet man nicht. An diese Regel halten wir uns heute nicht. Wir wollen mal ausdrücklich über Geld reden – genauer, über Tarife und die Finanzierung des ÖPNV.

Der Verkehrsverbund RVF

Wir haben euch ja schon mal erzählt, was der RVF ist. Es ist ein Verkehrsverbund, denn im Regio-Verkehrsverbund Freiburg werden sowohl die Tarife als auch das Verkehrsangebot koordiniert. Zum RVF gehören 20 Verkehrsunternehmen. Der Verbund ist zuständig für einen einheitlichen Tarif, abgestimmte Fahrpläne und Serviceangebote im Verkehrsgebiet. Darüber hinaus übernimmt er die Einnahmenaufteilung.

Die Politik redet mit

Der RVF arbeitet eng mit dem Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) zusammen und sichert so die Abstimmung mit politischen Gremien. Der ZRF ist für die politische Ebene des regionalen Nahverkehrs zuständig und vertritt die drei politischen Gebietskörperschaften der Region: Die Stadt Freiburg, den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und den Landkreis Emmendingen. Die Aufgabenverteilung und das Zusammenspiel zwischen RVF und ZRF ist im Grundlagen- und Zuschussvertrag (GZV) geregelt.

Die RegioKarte: ein einheitlicher Tarif für Zeitkarten

Mit der RegioKarte verfolgt der RVF, erfolgreich, die “Menge statt Preis”-Strategie. Das heißt, man setzt auf höhere Verkaufszahlen durch einen niedrigeren Preis der Monatskarte. Das Konzept geht auf: 90% aller Fahrten im Verbundraum erfolgen mit einer RegioKarte.

Durch den Tarifzuschuss wird der Verbundtarif möglich

Nur mit Bezuschussung durch das Land und den ZRF können die RVF Tarife so günstig ermöglicht werden.

Hier eine kleine Beispiel-Rechnung:

In der Rechnung kann man klar die Vorteile eines Verbundtarifs erkennen: ein Tarif für alle Verkehrsunternehmen bedeutet ein Fahrschein für alles. Auch die Anschlüsse und Verbindungen werden aufeinander abgestimmt. Aus der Rechnung ergibt sich ein Defizit von 1,20 Euro. Sehr viel höher ist der Unterschied, wenn man auf den Preis der Monatskarte schaut. Als 1991 die verbundweit im Nahverkehr gültige Regio(Umwelt)Karte eingeführt wurde, kostete diese 49 DM. Eine Monatskarte der Deutschen Bahn kostete für die Strecke Freiburg – Kenzingen (ohne weiteren Nahverkehr an Start- oder Zielort) zuvor beispielsweise 138 DM. Gäbe es heute keine RegioKarte würde beispielsweise eine DB-Monatskarte für die 51 km lange Verbindung von Freiburg nach Löffingen über 220 Euro kosten.

Der Tarifzuschuss der öffentlichen Hand gleicht das Defizit aus. Und das führt uns direkt zu den Finanzierungsströmen im RVF.

Wie fließt das Geld im RVF?

Nehmen wir mal die Zahlen von 2015 als Beispiel. Zum RVF flossen 2015 durch Fahrgeldeinnahmen 83,7 Mio. Euro. Dazu kam ein Tarifzuschuss vom ZRF und vom Land über knapp 9 Mio. Euro. Der RVF verteilt dieses Geld wiederum an seine Verkehrsunternehmen. Ca. 50 Prozent gingen an die Freiburger Verkehrs AG, ca. 25 Prozent an die Regionalbusse und wiederum 25 Prozent an die Eisenbahn. Die Unternehmen erhalten außerdem noch Ausgleiszahlungen vom Land für den Schülerverkehr und die Beförderung von Schwerbehinderten. Daneben gibt es noch andere Geldflüsse zwischen den einzelnen Verkehrsunternehmen und ihren zuständigen Aufgabenträgern, zum Beispiel zwischen Land und Eisenbahn bzw. zwischen der Stadt Freiburg und der VAG.

Das Defizit der Freiburger Verkehrs AG

Wir bleiben im Jahr 2015: mit rund 77 Mio. Fahrgästen konnte die Freiburger Verkehrs AG wieder an das Rekordergebnis von 2013 anknüpfen. Entsprechend sind auch die Umsatzerlöse aus dem Bus- und Stadtbahnbetrieb und der Schauinslandbahn auf 57,36 Mio. Euro angewachsen. Klingt nach ganz schön viel Kohle.

Allerdings sind die Aufwendungen eines Verkehrsunternehmens, das immer weiter wächst und sein Netz ausbaut, nicht zu unterschätzen. Der Personalaufwand ist um rund 2,44 Mio. Euro gestiegen. Der Materialaufwand lag bei 17,5 Mio. Euro.

Noch immer befindet sich die VAG im größten Investitionsprogramm ihrer Geschichte. Der Neubau der Linien Rotteckring und Waldkircher Straße, die bevorstehende Verlängerung der Stadtbahn Messe, umfangreiche Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen im Stadtbahnnetz stehen auf dem Programm. Das wachsende Stadtbahnnetz und die Erweiterung des Leistungsangebots bringen auch einen Mehrbedarf an Personal und Fahrzeugen mit sich.

So ergab sich für 2015 ein Jahresfehlbetrag von 16,57 Mio. Euro. Ursprünglich geplant waren sogar 22,4 Mio. Euro. Das Defizit der VAG wird durch die Stadtwerke Freiburg GmbH getragen.

Auch dieses Jahr stehen wieder wichtige Fortschritte an – zum Beispiel: Auf dem Friedrichring wird im Bereich Siegesdenkmal alles für die neue Linie Rotteckring umgebaut und der Platz deutlich attraktiver gestaltet, was sich auch positiv auf die Verkehrsführung vor Ort auswirken wird. In diesem Zuge werden die Gleise auf der nördlichen Kaiser-Joseph-Straße erneuert und die Haltestellen vor Kaufhof und WMF endlich barrierefrei umgebaut. Mit der neuen 12 cm hohen Kante kann dann auch dort die Rampe für Rollstuhlfahrer angelegt werden.

Investitionen, die sich lohnen und von denen Fahrgäste profitieren.

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