Schienenreiniger – Die Saubermacher

Damit sich die Stadtbahnfahrzeuge sicher und zuverlässig fortbewegen können, müssen die Gleise, auf denen sie fahren, regelmäßig gereinigt werden. In den Rillen der Gleise sammeln sich nämlich allerlei Staub und Schmutz, wie Abrieb von den Schienen und Fahrzeugen, Bremssand, Laub, Grasschnitt, Individualverkehrsschmutz und Weichenöl.

Mit insgesamt zwei Fahrzeugen wird das gesamte Gleisnetz jeden Tag gereinigt. Dies nimmt ungefähr sechs bis sieben Stunden in Anspruch. Als Zweiwegefahrzeuge sind die Schienenreiniger sowohl mit Schienenrädern als auch mit Gummirädern ausgestattet und damit besonders flexibel. Beide Fahrzeuge sind mit jeweils zwei Kameras und Monitoren versehen, die den Fahrern beim Eingleisen in die Schienen helfen. Ein schneller Wechsel zwischen Schiene und Straße ist notwendig, um für die Stadtbahnen schnell aus dem Weg gehen zu können und so die Einhaltung der Fahrpläne zu garantieren. Eingegleist fährt ein Schienenreinigungsfahrzeug die Strecke mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 25 km/h ab und schwimmt auf diese Weise immer kurzzeitig im Verkehr mit.

Die regelmäßige Reinigung der Schienen ist sehr wichtig. Ohne sie bestünde die Gefahr von Störungen in Form von Kontaktunterbrechungen zwischen Schienen und Stadtbahn, was unter Umständen die ganze Bahn lahm legen kann, wenn der Stromkreis unterbrochen wird. Besonders wichtig ist allerdings die Reinigung der Weichen. Werden diese nicht regelmäßig gesäubert, besteht sogar Entgleisungsgefahr.

Baukasten Schienenreiniger

Gekauft wurden die Schienenreiniger als Grundfahrzeuge, das heißt als LKW ohne Aufbau. Schienenvorrichtungen, Schmutz- und Wasserbehälter wurden dann von einer Fremdfirma eingebaut. Das größte Problem ist jedoch die Breite des Fahrzeuges. Die Gleisspuren sind an vielen Stellen links und rechts durch Masten und Abtrennungen begrenzt. Die Fahrzeuge müssen also schmaler gebaut werden und richten sich nach der sogenannten „Schweizer Breite“, einer Norm aus der Schweiz, nach der Fahrzeuge nur eine bestimmte Breite aufweisen dürfen um auf den bergigen Schweizer Straßen fahren zu dürfen.

Reparaturen an den Fahrzeugen erledigt die VAG im Normalfall selbst, nur bei größeren Problemen wird die Reparatur ausgelagert.

Schienenreinigung mit viel Power

Auf jeder Seite des Schienenreinigers befindet sich eine Hochdruckdüse, die einen Druck von jeweils 400 bar aufbringen. Durch die Frischwassertanks, die insgesamt 2300 Liter Frischwasser fassen, werden die Schienen gründlich ausgespritzt. Dies ist deshalb nötig, weil sich die Ablagerungen in den Schienenrillen zu einer festen Masse formieren. Durch alleinige Saugkraft könnte die nicht entfernt werden.

Ein großer eingebauter Ventilator erzeugt einen Unterdruck und saugt den gelösten Schmutz aus den Rillen der Gleise auf. Dieser landet im 6,5 Kubikmeter großen Schmutzbehälter. Der Schmutz wird am Ende einer Fahrt im Betriebshof abgeladen und das enthaltene Wasser über ein Filtersystem in die Kanalisation geleitet. Ist der Schmutz getrocknet, wird er auf LKW der VAG aufgeladen und bei der ASF – der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH – entsorgt.

Voll beladen mit Frischwasser und aufgenommenem Schmutz wiegt ein Fahrzeug übrigens stolze 18 Tonnen.

Generell fahren die Schienenreiniger zu jeder Jahreszeit. Im Winter sind sie jedoch nicht immer einsetzbar. Sie sind nur bis zu einer Temperatur von 0°C unterwegs, bei kälterem Wetter bleiben sie in den Hallen der VAG, da dann das Wasser zur Reinigung wegen Gefriergefahr nicht mehr eingesetzt werden kann.

Ein Allroundtalent

Doch die Fahrzeuge können mehr als nur die Schienen zu reinigen. An der hinteren Achse befinden sich zusätzlich Düsen, durch die auf Knopfdruck Schmieröl in die Weichen gelangt. Dieses ist natürlich biologisch abbaubar. Nachdem also die Spuren durch den mittleren Teil des Fahrzeuges gereinigt wurden, werden sie nun durch das hintere Ende geschmiert.

Um niedrige Schächte am Straßenrand neben der Strecke zu säubern und von Wasser oder Schmutz zu befreien, ist oben an den Reinigungsfahrzeugen ein Saugausleger befestigt, mit dem die Schächte ausgesaugt werden.

Ausgestattet mit all diesen Eigenschaften sind die Schienenreiniger wahre Putzteufel, die sich täglich durch unser Schienennetz kämpfen um Ihnen eine saubere und sichere Fahrt zu bieten.

Dieser Blogbeitrag wurde von Sabrina Lonek verfasst. Sie ist Praktikantin in der Marketingabteilung der VAG.

3 Kommentare

  1. Ich bin beruflich bedingt Pendlerin und wohne in Betzenhausen. Mittlerweile habe ich mich längst daran gewöhnt, anders als sonst zu fahren, was eigentlich auch gut funktioniert, aber die Straßenbahnlinie 1 wartet in der Bissierstraße nicht immer den SEV-Bus (Schienenersatzverkehr) ab, was ich sehr ärgerlich finde! Mir ist schon ein paarmal die Straßenbahn quasi „vor der Nase“ weggefahren, wenn der Bus mal eine geringfügige Verspätung von weniger als 1 Minute hatte.
    Ansonsten funktioniert alles problemlos; und ich finde es faszinierend, wenn ich mal an der Baustelle entlanggehe, was da alles „in Bewegung“ ist. Hut ab vor den Bauarbeitern, die Tag für Tag – und das bei Hitze oder Regen – und teilweise auch nachts – arbeiten! Ich bin gespannt, was uns als Kunden der VAG erwartet, wenn die Baustellen-Arbeiten abgeschlossen sind.
    Gruß, Sabine S.

    • Susanne aus der VAG Blog Redaktion

      Hallo Sabine,
      danke für das Lob. Ich verstehe, dass es ärgerlich ist, wenn die Bahn einem gerade so vor der Nase wegfährt. Unser Fahrpersonal ist darauf sensibiliert, möglichst auf den SEV zu warten. Allerdings geht das nicht immer, denn der SEV-Bus fährt in einem anderen Takt als die Stadtbahn. Da es an anderen Stellen im Netz noch wichtige Anschlüsse für die Stadtbahn gibt, müssen die FahrerInnen manchmal auch losfahren, obwohl die Fahrgäste aus dem SEV noch nicht einsteigen konnten. Generell gibt’s auch hier noch ein paar Infos zu wegfahrenden Straßenbahnen: http://blog.vag-freiburg.de/vor-der-nase-weggefahren/
      Viele Grüße
      Susanne aus der VAG Blog Redaktion

  2. Kein einfacher Job! Immer im Verkehr sein zu müssen, egal wie das Wetter ist, kann auch Gefahren birgen. Respekt an alle Schienenreiniger! LG Thimo

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