Unser neues Vorstandsduo

Am 28. Februar 2017 hat der Aufsichtsrat den bisherigen Unternehmensbereichsleiter Angebot und Betrieb, Oliver Benz, zunächst kommissarisch in den Vorstand der
Freiburger Verkehrs AG berufen. Zugleich wurde Stephan Bartosch als bisheriger Vorstand zusätzlich für das Jahr 2017 zum Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH und der
Stadtwerke Bäder GmbH bestellt. Die Neubesetzungen wurden notwendig, weil die bisherige Inhaberin dieser Positionen, Dr. Helgard Berger, diese aus gesundheitlichen
Gründen auf unbestimmte Zeit nicht mehr ausüben kann. Ein Gespräch mit den beiden Vorständen über ihre künftige Zusammenarbeit und die Ausrichtung des Unternehmens.

Oliver Benz (links) und Stephan Bartosch (rechts)

Herr Benz, Sie sind erst wenige Tage in der neuen Position, haben Sie sich schon eingelebt?

Oliver Benz: Als Unternehmensbereichsleiter Angebot und Betrieb war ich bisher für den gesamten Fahrbetrieb und somit für die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VAG verantwortlich. Dabei stand ich naturgemäß auch immer in engem Kontakt mit dem Vorstand. Viele der Themen, um die ich mich nun kümmern muss, sind mir also nicht fremd. Was sich jedoch eindeutig ändert, ist die Perspektive, mit der ich nun Vorgänge und Notwendigkeiten im Unternehmen betrachte.

Wie geht es Ihnen persönlich in der neuen Situation?

Oliver Benz: Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe, noch mehr Verantwortung übernehmen zu dürfen und die VAG zusammen mit meinem Kollegen Stephan Bartosch in die Zukunft zu führen. Zugleich habe ich mich auch in der Unternehmensbereichsleitung sehr wohl gefühlt und der Schritt von dort weg fällt mir in der Tat nicht leicht. Ich habe dort sehr viele wundervolle und engagierte Menschen kennengelernt und die Arbeit hat mir immer sehr viel Freude bereitet.

Herr Bartosch, Sie sind jetzt im sechsten Jahr als Vorstand bei der VAG. Was erwarten Sie sich vom Wechsel in der Vorstandschaft?

Stephan Bartosch: Zuallererst bin ich froh, dass unser Aufsichtsrat mit der Bestellung von Oliver Benz eine schnelle und vor allem eine – so finde ich – wirklich gute interne Lösung gefunden hat, die einen reibungslosen Wechsel mit viel Kontinuität verspricht. Bereits in den ersten Tagen haben wir gemeinsam besprochen, wie wir uns die Organisation und Abläufe vorstellen und welche Prioritäten aktuell gesetzt werden. Unser oberstes Ziel ist es, in enger, vertrauensvoller Zusammenarbeit die VAG weiterzuentwickeln und auch künftig als integriertes Unternehmen einen attraktiven und leistungsfähigen Öffentlichen Nahverkehr aus einer Hand anzubieten.

Konkret gefragt: Was sind die wichtigen Projekte der näheren und weiteren Zukunft?

Stephan Bartosch: Von großer Bedeutung sind die Weiterentwicklung des Stadtbahnnetzes und der laufende Unterhalt der bestehenden Strecken. Die Stadtbahn Rotteckring ist im Bau und die Stadtbahn Messe sowie die Strecke in der Waldkircher Straße stehen in den Startlöchern. Nach unserem aktuellen, großen Investitionsprogramm müssen wir sicherlich erst einmal Luft holen und uns wieder etwas wirtschaftlich stabilisieren, was aber nicht heißt, uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Zusammen mit der Stadt werden wir überlegen, wie das Stadtbahnnetz sinnvoll weiterwachsen soll. Ganz zentral ist aus technischer Sicht aber auch, wie sich unser Fuhrpark in den kommenden Jahren darstellen wird. Da ist zum Beispiel die Frage, wie viele und welche Fahrzeuge benötigt werden. Und ob es aus technischer, betrieblicher, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll wäre, auf alternative Antriebe umzustellen – zum Beispiel auf einen
Elektroantrieb bei unseren Bussen. Nicht zu vergessen, dass durch den Ausbau des ÖPNV in Freiburg auch unser Unternehmen wächst. Auch hierfür werden entsprechende Ressourcen benötigt.

Investitionen in Strecke und Fuhrpark verschlingen viel Geld. Was sagt der neue Vorstand dazu?

Oliver Benz: Der Öffentliche Nahverkehr in Freiburg gilt bundesweit als vorbildlich. Er wird seit Jahrzehnten auch politisch getragen und muss es – aus meiner Sicht – auch in Zukunft bleiben. Dennoch ist es wichtig, eine gute Balance zwischen den hierfür notwendigen Investitionen und dem wirtschaftlichen Ergebnis der VAG zu schaffen. Wie Herr Bartosch bereits erwähnt hat, sind für den aktuellen Ausbau des Stadtbahnnetzes, welcher gemäß der Beschlüsse des Freiburger Gemeinderates erfolgt, erhebliche Investitionen notwendig. Dies, und auch das weiterhin sinnvolle Wachstum, wird die VAG in den kommenden Jahren vor eine nicht nur finanzielle Herausforderung stellen. Diese gilt es gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfolgreich zu meistern.

Decken denn die aus dem Stadtbahnausbau resultierenden Mehreinnahmen tatsächlich die notwendigen Investitionen?

Oliver Benz: Diese Frage muss man rein betriebswirtschaftlich gesehen leider mit einem klaren „Nein“ beantworten. Würde man „Mehreinnahmen“ hingegen durch den Begriff „Mehrwert“ ersetzen, dann könnte man diese Frage aus meiner Sicht hingegen durchaus bejahen. Unser engmaschiges Netz aus Stadtbahnen und Bussen, mit seinen zumeist sehr dichten Fahrzeugtakten, trägt maßgeblich dazu bei, die Stadt von Lärm und Abgasen des motorisierten Verkehrs zu entlasten. Ähnliches gilt übrigens auch für den städtischen Ausbau des Radverkehrsnetzes. Diese sinnvolle Kombination eines attraktiven und umweltfreundlichen Verkehrsangebotes führt letztlich dazu, dass deutlich weniger Verkehrsflächen für Straßen und Parkplätze benötigt werden. Damit werden zum Beispiel die von der Stadt vorangetriebenen Zentren-Aktivierungs-Konzepte möglich. Das alles ist nicht nur ökologisch sinnvoll, es steigert auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt und in den einzelnen Quartieren. Mit Geld ist dieser gesamtstädtische und volkswirtschaftliche Nutzen allerdings nur schwer aufzuwiegen.

Stephan Bartosch: Ich kann dies nur unterstreichen. Sicherlich verursacht ein Stadtbahnausbau auch entsprechende Kosten. Dank der Förderprogramme von Bund und Land wird der Bau neuer Stadtbahnstrecken auch mit nicht unerheblichen Mittel bezuschusst. Das sind immerhin bis zu 80 Prozent der förderfähigen Planungs- und Baukosten – wir sprechen hier von zweistelligen Millionenbeträgen, die von Bund und Land direkt in die städtische Infrastruktur fließen. Außerdem heißt Stadtbahnbau in Freiburg auch immer städtebauliche Aufwertung entlang der neuen Trasse. Schauen Sie sich nur an, was gerade rund um das Siegesdenkmal geschieht und wie künftig der Platz der alten Synagoge aussehen wird. Oder schauen Sie, wie sich das Ortszentrum Haslach mit dem Stadtbahnbau verändert hat – ebenso Zähringen oder die Berliner Allee. All das wäre ohne die Investition in die Stadtbahn kaum vorstellbar. Dieser Mehrwert kommt
allen zugute.

Dieses Interview findet ihr auch in den aktuellen Facetten, Ausgabe Nr. 2, 2017.

2 Kommentare

  1. Lautenbach Jens

    Sehr geehrte Damen und Herrn
    ich komme jeden morgen um 7.18
    mit dem Zug aus Neustadt auf Gleis 8 an
    Aufgrund der Sanierung der Stadtbahnbrücke kommt
    man als Schwerbehinderter nicht zu den Strassenbahnen
    Bin mit rollartor unterwegs
    Das heist ich laufe zur Eschholzstrasse und warte dort auf die
    Linie 3 Richtung Haid
    Habe ich Pech ist es eine ohne Niederflur Wartezeit dann noch mal
    6 Minuten
    Wenn ich Pech habe fahrt die Liene 5 direkt vor der Nase weg
    Erneute Wartezeit von 6 Minuten
    Ich verliere eine Fahrtzeit von fast 20 Minuten für die Heimfahrt
    Sehr erbaulich
    Mit freundlichen Grüßen
    Jens Lautenbach

    • Magdalena Schneider

      Hallo Jens, das ist wirklich keine befriedigende Situation. Ich fürchte während der Umbauzeit wird es leider immer wieder zu längeren Wegen und erschwerten Zugängen für Fahrgäste, Fußgänger und Radfahrer kommen. Die Sanierung der Stadtbahnbrücke ist ein Gemeinschaftsprojekt der VAG und des Garten- und Tiefbauamts. Die Stadt hat zu den geplanten Baumaßnahmen und den damit verbundenen Einschränkungen eine Pressemitteilung versendet. Du findest den Link hier: https://www.freiburg.de/pb/1451784.html
      Alle Beteiligten sind bemüht, die Arbeiten so zügig wie möglich auszuführen und die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Vielen Dank für dein Verständnis.
      Viele Grüße
      Magdalena von der Blog Redaktion

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.