26. Feb. 2026 - 12:04 Uhr
Hans-Jürgen Oehler, 67, ist ehemaliger VAGler und leidenschaftlicher Sammler von Postkarten, stets auf der Suche nach besonderen Perspektiven. Zum Jubiläum 125 Jahre Straßenbahn hat er uns seine Sammlung gezeigt.
Als ich vor 45 Jahren von Opfingen ins Lehener Wasserschlössle gezogen bin, habe ich dort auf dem Dachboden Kartons mit alten Postkarten entdeckt. Darauf waren Motive aus Lehen, etwa die Paduaallee. Die hatte damals noch Bächle rechts und links. Das hat mich fasziniert. Da die Besitzerin der Karten verstorben war, durfte ich sie behalten. Mit der Zeit kamen immer mehr Postkarten mit anderen Stadtteilen dazu. Viele Stücke habe ich auf Auktionen ersteigert oder auf Flohmärkten gefunden, andere erhält man über Tauschkontakte.

Ja. Ich habe mich schon immer für die Freiburger Geschichte interessiert. Für alles, was dazu gehört – historische Ereignisse, Freiburg in Trümmern, Freiburg vor dem Krieg, die verschiedenen Ortsteile. Ich finde es spannend zu sehen, wie Freiburg früher aussah und wie es sich verändert hat. Ich stöbere gern in der Vergangenheit und entdecke dabei immer wieder Neues.
Einmal bin ich im Opfinger Archiv auf eine Postkarte gestoßen, auf der der Name des Fotografen stand. Dessen Sohn – schon über 80 – stand im Telefonbuch und so konnte ich ihn ausfindig machen. Inzwischen bin ich mit ihm befreundet. Die Postkarten seines Vaters hat er mir überlassen. So ein Erlebnis – das ist Sammelleidenschaft.

Nein, die ersten Postkarten habe ich verkauft, da ich mit der Zeit so viele hatte. Ich hatte keinen Platz mehr für alle und im Heimatverein Lehen sind sie gut aufgehoben
Ich habe 1986 angefangen bei der VAG zu arbeiten und kam dadurch mit Menschen in Kontakt, die alte Bilder und Ansichtskarten der Freiburger Straßenbahnen hatten. Als Busfahrer hatte ich einen Aushang im Bus, dass man sich bei mir melden kann. So bin ich durch die Hinterbliebenen von VAG-Mitarbeitenden zu einigen alten Postkarten gekommen. Ganz selten sind da auch Einzelaufnahmen von den Mitarbeitern dabei, zum Beispiel Schaffner*innen. Die fotografiere ich dann meistens nur ab, weil die Originale einen emotionalen Wert für die Familien haben.

Genau! Irgendwann habe ich angefangen sie einzuscannen, damit ich auch auf dem Flohmarkt nachschauen konnte, welche Karten ich schon habe. Einige meiner Bilder gehen für historische Artikel an die Badische Zeitung oder zur VAG.
Generell waren viele Postkarten früher detailreicher und aufwendiger. Gleichzeitig wurden deutlich mehr versendet. In Bezug auf Busse und Bahnen haben die Motive die Ereignisse der Zeit abgebildet, etwa die Verabschiedung der Pferde-Trams von 1900.

Oder eine Karte des Martinstors, auch von 1900: Da gab es noch keine Straßenbahnen, aber sie wurde schonmal vorsorglich eingezeichnet. Die Fußgänger sind größer als die Bahn selbst, weil die Zeichner nicht wussten, wie es aussehen wird.

Im selben Jahr wurde das Schwabentor aufgestockt, damit die Straßenbahn darunter durchfahren kann. Das ist das einzige Bild davon, das ich kenne.

Ich mag Karten, auf denen man die ganze Bahn drauf sieht. Aber auch das Bild von dem TW 11 vor dem Günterstaler Tor finde ich sehr schön, besonders mit den Straßenbahnfahrern davor. Leider sind ihre Namen nicht immer dokumentiert.
Und eine Aufnahme vom alten Betriebshof mag ich auch sehr. Meines Wissens ist es die einzige Aufnahme von damals aus dieser Perspektive.
Mein schönstes und seltenstes Stück in der Sammlung ist eine Werbekarte mit Reklame von verschiedenen Geschäften, sehr eng bedruckt. Es ist ein Wunder, dass es noch existiert, ohne dass es kaputt gegangen ist. Als ich das gesehen habe, wusste ich: Das muss ich haben. Da ist der Sammlertrieb dann extrem.
Das Interview führte Merle Vollmer.
Fotos/Postkarten: Merle Vollmer/Hans-Jürgen Oehler
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