Eintrittskarte = Fahrschein: Wie ZMF, Stadt und VAG vor 40 Jahren Pioniere wurden

Uhr 22. Juli 2025 - 16:31 Uhr

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Freddy Greve

VAG Freiburg

Seit 1985 gilt: Eintrittskarte = Fahrschein. ZMF, Stadt und VAG waren damit deutschlandweit Vorreiter für nachhaltige Event-Mobilität.

Das Zelt-Musik-Festival (ZMF), die Freiburger Verkehrs AG (VAG) und die Stadt Freiburg haben vor 40 Jahren ein Stück Geschichte geschrieben. Gemeinsam erarbeiteten und schufen sie eine Regelung, die ihrer Zeit deutschlandweit voraus war: Seit 1985 gilt jede Eintrittskarte zum ZMF als Fahrschein für die An- und Abreise mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Was heutzutage bei sehr vielen Veranstaltungen in Freiburg völlig selbstverständlich ist, war im Jahr 1985 eine echte Pioniertat. Und seither sind ZMF, VAG und die Stadt verlässliche Partner in Sachen Musik, Kultur und Mobilität.

Schon mehr als 2,5 Millionen Fahrgäste, seit 2011 sogar verbundweit
Das Beispiel aus Freiburg war vermutlich das erste systematisch und regelmäßig angewandte Modell dieser Art in Deutschland. Ganz im Sinne des damaligen Slogans „Musikfreunde sind Umweltfreunde“ wurde dieses Angebot bis zum Festival 2024 grob hochgerechnet mehr als 2,5 Millionen Mal genutzt! Im Jahr 2011 kam mit dem Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) ein weiterer Partner mit ins Boot. Seither gilt das Angebot nicht nur bei der VAG, sondern auch im gesamten regionalen Nahverkehr der Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald.

Aus der Parkplatznot eine Tugend gemacht
Die – buchstäblich – wegweisende neue Regelung „Eintrittskarte = Fahrschein“ war letztlich der Tatsache geschuldet, dass das Festival 1985, im dritten Jahr seines Bestehens, von innerstädtischen Plätzen hinaus auf das Gelände des Mundenhofes verlegt wurde, wo es anfangs weder ein Nahverkehrsangebot noch eine nennenswerte Anzahl an Parkplätzen gab. Um die Erreichbarkeit des etwas abgelegenen Geländes sicherzustellen, richtete die VAG einen Shuttleservice ein, in den man bequem von der Stadtbahn aus umsteigen konnte.

„Fahrkarten mit Geschichte“ – Ein Blick auf verschiedene historische Fahrscheine der Freiburger Straßenbahn: Von gelochten Pappstreifen über detaillierte Netzpläne bis hin zur Monatskarte mit Lichtbild – so vielfältig waren einst die Tickets für den Nahverkehr in Freiburg.

Wer hat’s erfunden? OB Rolf Böhme, ZMF-Chef Alexander Heisler und die VAG

Seit 1994 findet dieser Umstieg an der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 3 an der Munzinger Straße statt. Auch am Maria-von-Rudloff-Platz kann man seit 1997 von der Stadtbahnlinie 5 in die Pendelbusse umsteigen. Um das Angebot möglichst attraktiv zu machen, bauten Oberbürgermeister Rolf Böhme, Festivalchef Alexander Heisler und die Fachleute der VAG die Rahmenbedingungen für das neue Kombi-Ticket aus – was sich nicht nur als echte Pioniertat, sondern auch als durchschlagender Erfolg entpuppte.

Dichte Bustakte und zeitloses Frelo
Mittlerweile hat sich alles gut eingespielt. Wer einen Parkplatz benötigt, muss dafür 10 Euro (ab 21 Uhr 5 Euro) zahlen, es gibt reichlich Fahrradabstellplätze, und die Shuttlebusse von der Stadtbahnendhaltestelle „Munzinger Straße“ fahren in der Regel ab 18 Uhr mindestens viertelstündlich. Natürlich darf man diese Busse auch ohne Konzertticket benutzen; dann kostet die Hin- und Rückfahrt zwei Euro.

Schließlich ist es immer auch ein Erlebnis, einfach nur die Festivalluft zu schnuppern und sich mit einem Getränk oder leckerem Essen auf den Hügel zwischen Zirkuszelt und Spiegelzelt zu setzen, um das tolle Flair zu genießen.
Als ergänzendes und gern genutztes Angebot gibt es seit sechs Jahren übrigens auch immer eine extra zum Festival eingerichtete Frelo-Station, bei der man sein rot-weißes Mietfahrrad abgeben oder buchen kann.

1983 ZMF Messplatz, Quelle: Zelt-Musik-Festival GmbH

Legendäre Gesangseinlagen im Shuttlebus
Nicht selten beginnt für die Anreisenden der Festivalgenuss schon im Shuttlebus, für den sich die VAG übrigens personelle Unterstützung von Fahrerinnen und Fahrern anderer befreundeter Unternehmen hinzukauft: Manche davon entpuppen sich während der Fahrt von und zum Gelände als wahre Gesangskünstler und stimmen die Mitreisenden mit mitreißenden Liedern auf den Abend ein.

Wer bezahlt diese Nahverkehrsleistungen?
Die Regelung „Eintrittskarte = Fahrschein“ darf nicht mit einer „Freifahrt“ verwechselt werden. Vielmehr werden die Kosten für das Nahverkehrsangebot sozusagen „sozialisiert“. Im Kaufpreis jeder Eintrittskarte ist ein kleiner Betrag für die Möglichkeit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs enthalten. All jene, die nicht per Bus oder Bahn anreisen, zahlen also für jene mit, die dies tun.

Seit 1993 auch mit dem Ticket zum SC
Auch wenn Freiburg, die VAG und das ZMF die Pioniere waren, so dauerte es in unserer Stadt bis zum Jahr 1993, ehe ein weiteres regelmäßiges Angebot dieser Art aus der Taufe gehoben wurde: Der Sportclub Freiburg war urplötzlich in die erste Bundesliga aufgestiegen und hatte nicht mehr 2.500 bis 3.500 Zuschauer je Heimspiel, sondern war – bis heute – nahezu immer ausverkauft. Und da es rund um das Dreisamstadion kaum Parkplätze gab, besann man sich auf die guten Erfahrungen beim ZMF und führte auch hier diese Regelung ein. Mittlerweile ist das Angebot bei allen Veranstaltungen auf städtischen Geländen nicht mehr wegzudenken. Wie schön, dass man 1985 schon den Mut hatte, diesen Schritt zu gehen!

Quelle: Zelt-Musik-Festival GmbH

Text: Andreas Hildebrandt


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