Kleine Geschichten aus 125 Jahren Straßenbahngeschichte

Uhr 19. Apr. 2026 - 16:45 Uhr

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Freddy Greve

VAG Freiburg

Frauen, die erstmals ans Steuer durften, eine Geiselnahme, Sandsäcke statt Fahrgäste: Manchmal ist die wahre Geschichte wilder als jeder Roman. Hier schildern wir einige Fails und Pannen aus 125 Jahren Stadtbahngeschichte.

Sonntagsbeschäftigung für Kinder

Straßenbahnen haben schon immer Kinderaugen zum Leuchten gebracht – damals wie heute. So ging es 1959 auch einem damals 8-jährigen Freiburger Bub und seinem 6-jährigen Bruder. Fans waren sie vor allem vom damals ersten Gelenkwagen, genannt Sputnik.

Einen ganzen Sonntagnachmittag fuhren die beiden damit im Kreis, bis das Fahrkartenheft leer war. Die Liebe blieb ein Leben lang: Später wurde der Ältere der beiden Buben Betriebsleiter der VAG.

Die GT4-Fahrzeuge von 1959 wurden wegen ihrer modernen Bauweise Sputnik genannt. Foto: Freunde der Freiburger Straßenbahn

Schmutziger Dunschdig 1985

Heftig wurde es im Jahre 1985, als am Schmutzigen Dunschdig 1985 eine Straßenbahn samt Fahrer entführt wurde.

Es ist der 14. Februar 1985, 22 Uhr: Ein 24-jähriger Mann steigt in einen GT4, rauchend. Der Fahrer weißt ihn auf das Rauchverbot hin. Damit eskaliert die Situation. Der 24-Jährige zieht einen Trommelrevolver und zwingt den Fahrer von der Endhaltestelle Hornusstraße loszufahren. Dem Fahrer gelang es, unbemerkt Funkkontakt zur Leitsttelle aufzunehmen, die sofort reagierte. Als die Straßenbahn am Friedrich-Ebert-Platz ankam, nahmen zwei Polizeibeamte in Zivil den 24-Jährigen fest. Für den Fahrer war das ein einschneidendes Erlebnis, dass er erstmal verarbeiten musste.

125 Jahre Stadtbahngeschichte.

Frauen im Fahrdienst

Heute arbeiten im Fahrdienst viele Frauen, doch bis in die 80er war das ein reiner Männerberuf. Anders war das während des zweiten Weltkriegs. Während viele Männer im Krieg waren, fuhren die Frauen Busse und Bahnen. Ab 1945 war damit Schluss: Frauen durften nur noch als Schaffnerinnen arbeiten. Bis 1987.

Zum 1. Juli wurde Ruth Bauer als erste Straßenbahn- und Busfahrerin eingestellt. Das brachte ganz eigene Herausforderungen mit sich – es gab weder Damentoiletten noch Dienstkleidung für Frauen. Letztere musste Ruth Bauer im Fachgeschäft für Damenoberbekleidung kaufen, nach vorgegebenen Farbmustern. Sie blieb 33 Jahre in ihrem Job. Wir haben sie interviewt.

Knappe Kiste

In den 90ern wurde alles anders. Mit den Stadtbahnwagen GT8 Z wurden erstmals Bahnen beschafft mit stufenlosem Einstieg an jeder Tür. Das sollte mit Fotos in einer Broschüre schön in Szene gesetzt werden. Bei der ersten Bahn waren aber die Abnahmeprüfungen noch nicht abgeschlossen und daher mit Gewichten beladen, mit denen eine vollbesetzte Bahn simuliert wird. Trotzdem fuhr man für den Fototermin auf die Strecke. An der Laßbergstraße dann das Problem: Die Bahn setzte auf der Bahnsteigkante auf und war nicht mehr zu bewegen.

Was nun? Das Team handelte pragmatisch: Gewicht für Gewicht wurde rausgetragen – und somit quasi 300 Fahrgäste. Ein würdevolles Debüt sieht anders aus. Und als wäre das nicht genug, kam der damalige Regierungspräsident auf seinem Sonntagsspaziergang zufällig vorbei. Zum offiziellen Start der Bahnen funktionierte dann aber alles. Die Haltestelle wurde davor umgebaut.

Die GT8Z-Fahrzeuge sind noch heute in der Stadt unterwegs. Foto: Ralf Kilian

Text: Hannah Steiert/ Thomas Ruff


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