Mit der Dampflok vom Titisee zum Schluchsee

Uhr 11. Aug. 2026 - 17:30 Uhr

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Freddy Greve

VAG Freiburg

Reisen wie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer? Die 3-Seenbahn macht’s möglich. Hochschwarzwald-Romantik und Eisenbahn-Nostalgie sind nur 40 Minuten von Freiburg entfernt. Eine Mitfahrt auf der Dampflok.

Dass diese 105-Jährige ein Star ist, merkt man sofort: Winkende Familien mit staunenden Kindern, hochgereckte Smartphones, „Trainspotter“ mit großen Objektiven. Wenn sie sich stark rauchend, pfeifend und ratternd ankündigt, zieht sie alle Generationen in ihren Bann: die Dampflok der 3-Seenbahn. Im Sommer ist sie an ausgewählten Terminen (siehe Infobox unten) zwischen Titisee und Seebrugg unterwegs. Die Fahrgäste sitzen in liebevoll restaurierten Wagons aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Einige machen es sich in der Holzklasse bequem, damals drittklassig, heute wegen der nostalgischen Anmutung begehrt, während andere die Polstersitze der 2. Klasse bevorzugen.

Preisliche Klassenunterschiede gibt es hier nicht. Das Ticket löst man bei Schaffnern wie Martin Hainmann, der in seiner, dem historischen Vorbild nachempfundenen Uniform die Illusion der Zeitreise perfekt macht. Hainmann ist seit fünf Jahren ehrenamtlich bei der IG 3-Seenbahn, deren Mitglieder sich in ihrer Freizeit mit Hingabe um den Zug kümmern.

Die Heizer machen Dampf

Damit Lok und Wagons sicher die knapp 20 km lange Strecke bewältigen, sind heute drei Vereinsmitglieder im Fahrstand. Bernd Roschach, 71, war noch bis Mitte der 1970er-Jahre Berufsheizer bei der Bahn und hat sein Wissen an den 26-Jährigen Jonathan Wölfle weitergegeben, der wiederum den gleichaltrigen Heizer-Azubi Elias Wünsche anleitet. Für eine komplette Tour muss er etwa eine Tonne Kohlen schaufeln, damit immer genug Druck auf dem Kessel ist.

Auf der steileren Hinfahrt zum Schluchsee sind es 600 Kilogramm, bei der Rückfahrt zum niedriger gelegenen Titisee „nur“ noch 400 Kilo. Sobald er im wahrsten Sinne eine Schippe drauflegt und Wölfle für ihn die Luke zur Brennkammer öffnet, schlägt einem die Hitze förmlich entgegen, zusätzlich zu den 28 Grad Außentemperatur. Weil die Steinkohle stark staubt, wird sie immer wieder bewässert. Im Gesicht die Hitze, in den Schuhen, wenn man nicht aufpasst, das Wasser – man bekommt sehr schnell einen Eindruck davon, was der Beruf mit sich brachte; und was die Freiwilligen heute hier leisten.

Wie aus dem Modelleisenbahnkatalog

Neben dem Zug gibt es noch einen weiteren Star: die Landschaft. Wie aus dem Modelleisenbahnkatalog, aber statt H0 im Maßstab 1:1. Enge Kurven und Steigungen wechseln sich mit Waldpassagen und offenen Wiesen ab. Dazwischen eröffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf die drei Seen: Schluchsee, Titisee und den idyllischen, zu Unrecht oft weniger beachteten Windgfällweiher.

Für Jonathan Wölfle ist der kleine, von Tannen umgebene See der Höhepunkt der Strecke. Ein weiteres, buchstäbliches Highlight haben wir gerade hinter uns gelassen, den höchstgelegenen Bahnhof im DB-Netz: Feldberg-Bärental auf 967 Metern über dem Meeresspiegel. Nach Schluchsee geht es jetzt sanft bergab. Mit einem extralangen Pfiff aus der Dampfpfeife rollen wir an den zahlreichen Badegästen des Freibads vorbei, die ihren Kopf vom Wasser zur Bahn drehen, winken und sich freuen.

Wassertanken in Seebrugg und ein Tag, der sich gelohnt hat

Am Endbahnhof Seebrugg wird die Lok von den Wagons abgekoppelt und fährt zum historischen Wasserkran, um den 20 Kubikmeter fassenden Tank wieder für die Rückfahrt aufzufüllen. Wenn Heizer-Azubi Wünsche bei der anschließenden Pause seinen Blick vom Fahrstand schweifen lässt, sieht er mit Bart und Schirmmütze tatsächlich ein wenig aus wie Lukas der Lokomotivführer.

In der Begeisterung für seine „Emma“ steht er der Kinderbuchfigur in nichts nach. Wie alle hier: Die Faszination für die uralte, immer noch funktionsfähige Technik vereint. Oder wie Jonathan Wölfle es zusammenfasst: „Wenn man das Glänzen in den Augen sieht, man die Leute bei ihrer Mitfahrt ein bisschen berührt und sie eine Erfahrung mitnehmen, die sie so vielleicht schon lange nicht mehr hatten, dann hat sich der Tag gelohnt.“

Hinweis:
Die 3-Seenbahn ist vom Freiburger Hauptbahnhof mit der S1/S10/S11 in knapp 40 Minuten zu erreichen (Bahnhof Titisee).

Die nächsten Fahrten mit der Dampflok: Am Samstag, 15., und Sonntag, 16. August 2026. Dann findet die Veranstaltung 100 Jahre Dreiseenbahn. 100 Jahre ländlicher Bahnhof im Hochschwarzwald in Seebrugg statt. Am Sonntag ist der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) mit einem Infostand vor Ort. Weitere Dampffahrten gibt es am 22. und 23. August 2026. In der Regel fahren die Museumsbahnen von Mitte Juli bis Mitte September an allen Sonntagen und aus ausgewählten Samstagen.

>>Alle Infos zu Preisen und Terminen

Text und Aufnahmen: Michael Quell


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