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Auf einen Kaffee mit Michaela Guntowski

Schon seit mehr als zehn Jahren sitzt Michaela Guntowski am Steuer der Freiburger Straßenbahnen und Busse. Damit gehört sie laut eigener Aussage „zu den alten Hasen“ unter den VAG-Fahrerinnen und -Fahrern. Die Vorteile: viel Erfahrung und Gelassenheit in stressigen Situationen. Im Interview erzählt die 59-Jährige, wieso sie diese braucht und was sie sich von Anderen im Straßenverkehr wünscht.

Trinken Sie Kaffee?
Ja, morgens, bevor ich aus dem Haus gehe, trinke ich zwei Tassen. Kaffee aus dem Automaten schmeckt mir nicht, daher bleibt es bei dem Kaffee zuhause.

Wie sind Sie zur VAG gekommen?
Ein Bekannter erzählte mir von seinem Job als Fahrer bei der VAG. Damals war ich noch PKW-Fahrlehrerin, aber habe mir gedacht: Ich könnte ja mal wieder etwas Neues machen. Daraufhin habe ich mich initiativ beworben. Im Februar 2013 habe ich die mehrwöchige Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin begonnen und danach neben meinem Beruf als Fahrlehrerin als Abrufkraft gearbeitet. Im Dezember 2013 habe ich dann in Vollzeit bei der VAG angefangen und im April 2014 noch den Bus-Führerschein erworben.

Was hat Sie an dem Beruf der Bus- und Straßenbahnfahrerin gereizt?
Für mich ist es einfach irre toll, Bus und Bahn zu fahren. Es ist ein fantastisches Gefühl, wenn man so eine ewig lange Bahn fährt, die man in jeder Situation beherrschen kann. Oder mit dem Bus überall durchkommt, wo andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eine Zeitlang war ich auch als Lehrfahrerin bei der VAG tätig und habe Fahranfänger in ihren ersten Wochen betreut. Das ist total meins: lehren und lernen.

Gibt es einen Tipp, den Sie jedem Fahranfänger und jeder Fahranfängerin geben?
Nicht auf die Zeit zu gucken. Natürlich soll man nicht trödeln, aber im normalen Verkehr während der Schulzeit gehört Verspätung einfach dazu. Und in irgendeiner Wendezeit holt man die meistens auch wieder auf. Meine Aufgabe ist es nicht, riskant zu fahren, um pünktlich irgendwo anzukommen. Vielmehr will ich die Fahrgäste sicher ans Ziel bringen.

Was sind typische Gefahrensituationen in Ihrem Alltag als Fahrerin?
Das Handy ist der größte Gefahrenfaktor: Jeden Tag laufen Personen vor mir auf die Schiene und schauen währenddessen auf ihr Handy. Auch nach Schulschluss gibt es viele gefährliche Situationen, bei denen Schüler bei Rot direkt vor der Straßenbahn über die Schiene laufen. Manchmal sogar, wenn ich schon losgefahren bin. Das sind Momente, in denen das Adrenalin steigt und der Herzschlag beschleunigt. Insbesondere wenn es leicht regnet, bekommen wir die Bahn fast nicht mehr zum Stehen. Selbst wenn wir eine Vollbremsung machen und noch rechtzeitig zum Halten kommen, können sich auch die Fahrgäste in der Bahn verletzen.

Was wünschen sie sich von anderen Teilnehmer*innen im Straßenverkehr?
Meine Bitte wäre: Haltet eure Kinder fest, wenn die Straßenbahn vorbeifährt. Und beachtet rote Ampeln! Von Autofahrern würde ich mir wünschen, dass sie vor dem Linksabbiegen schauen, ob eine Straßenbahn kommt und
dass sie beim Parken darauf achten, dass auch ein Bus noch vorbeipasst. Im Grunde genommen sollte einfach jeder den Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung beachten: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Zur Person: Arzthelferin, Fahrlehrerin und Trainerin beim ADAC: Michaela Guntowski hat schon viele Berufe ausprobiert. Seit 2013 ist die 59-Jährige bei der VAG als Mitarbeiterin im Fahrdienst tätig. Mit ihrem Mann Michael, der ebenfalls als Bus- und Straßenbahnfahrer bei der VAG arbeitet, wohnt die gebürtige Kirchzartenerin in Emmendingen.

Dieser Text erschien zuerst in unserer Facetten-Ausgabe 02/2024. Fotos: Anja Thölking

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