30. Okt. 2026 - 11:15 Uhr
Heiße Tage werden zunehmend zur Belastung für Städte und ihre Verkehrsinfrastruktur. Mit Maßnahmen wie Rasengleisen und begrünten Haltestellendächern schafft die VAG mehr Grün im Netz und sorgt für ein besseres Klima entlang der Strecke.
Der Klimawandel und steigende Temperaturen machen nachhaltige Lösungen im Verkehrssektor wichtiger denn je. Neben emissionsärmeren Mobilitätsangeboten, welche im Vergleich zur Kohleverbrennung für weniger Klimaerwärmung sorgen, rückt deshalb auch der klimaangepasste Bau der Infrastruktur zunehmend in den Vordergrund. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Begrünung und Entsiegelung von Gleisanlagen, sowie von Haltestellendächern. Grüngleise verbessern das Stadtklima, reduzieren die Hitzebelastung und machen die Verkehrsinfrastruktur widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Durch die Zunahme von Extremwetterereignissen sowie lang anhaltenden Hitzewellen besteht ohnehin eine allgemein höhere Gefährdung für Mensch und Natur, insbesondere in so einer heißen Region wie dem Raum Freiburg. Wo Hitze bereits zur Belastung wird, sollte eine zusätzliche Erwärmung konsequent vermieden werden. Letztlich ist die Anpassung an zunehmende Hitze jedoch vor allem für die Fahrgäste im ÖPNV von entscheidender Bedeutung, da der Schutz ihrer Gesundheit oberste Priorität für die Verkehrsbetriebe hat. Insgesamt sind jene Anpassungen ein weiterer wichtiger Bestandteil für die geplante Mobilitätswende, da sie dazu beitragen, den öffentlichen Nahverkehr auch bei zunehmenden Hitzeperioden und Wetterextremen zuverlässig und leistungsfähig zu halten. Wir streben zudem an, bis 2035 klimaneutral zu sein und dies sind ergänzende Maßnahmen, um dazu beizutragen.

Die VAG prüft regelmäßig, wo sie ihre Infrastruktur entsiegeln und begrünen kann, um den öffentlichen Nahverkehr fit für die Folgen des Klimawandels zu machen. Da einige Verkehrsflächen aus betrieblichen Gründen dauerhaft versiegelt bleiben müssen (z.B. Kreuzungsbereiche), liegt das größte Potenzial vor allem im Bereich der Straßenbahninfrastruktur. Für die Suche nach geeigneten Standorten werden unter anderem Hitze- und Starkregenkarten der Stadt Freiburg herangezogen. So lässt sich erkennen, welche Bereiche besonders von hohen Temperaturen oder den Folgen von Starkregen betroffen sind.
Derzeit erarbeitet die VAG ein Entsiegelungskonzept. Es soll zeigen, auf welchen Flächen Handlungsmöglichkeiten bestehen, welche auch technisch umsetzbar sind. Dieses Konzept wird zudem von externer Seite begleitet. Anschließend wird geprüft, wo die VAG auf eigenen Flächen überhaupt Handlungsmöglichkeiten hat und welche Maßnahmen technisch umsetzbar sind. Eine konkrete Umsetzung ist damit jedoch nicht automatisch verbunden. Vielmehr werden entsprechende Maßnahmen bevorzugt dann berücksichtigt, wenn an einem Standort ohnehin Sanierungs- oder Umbauarbeiten anstehen.
Bei der VAG wurden inzwischen bereits über 40% der Strecke entsiegelt oder teilentsiegelt. Im Vergleich zu versiegelten Flächen können Grüngleise Regenwasser besser aufnehmen und dadurch die Kanalisation entlasten. Zudem tragen sie zur Kühlung der Umgebung bei, binden Feinstaub, reduzieren Lärmemissionen um rund drei Dezibel und fördern die Artenvielfalt. Für die Schienenbegrünung wird klimaangepasstes Saatgut, sogenanntes Wiesendrusch, genutzt, da esextremen Wetterbedingungen, Trockenheit und den Belastungen durch den Bahnverkehr standhalten muss. Die eigenen Schienen zu begrünen ist Teil einer modernen und vernetzten Stadt- und Verkehrsplanung.
“Begrünte Gleise gehören zu den wirksamsten Beiträgen, mit denen die VAG die Anpassung der Stadt an diese Entwicklung unterstützen kann. Wo Sanierungen anstehen, nutzen wir jede Möglichkeit zur Entsiegelung.”
– VAG Vorstand Oliver Benz

Um die dortige Aufenthaltsqualität für Fahrgäste und auch Insekten zu verbessern, werden auch Haltestellen angepasst. Hauptbestandteil der Verbesserungen am Fahrgastunterstand ist die Neugestaltung ihrer Dächer durch eine Begrünung. Im Juni 2024 fand das erste Pilotprojekt dazu statt. Alle vier Unterstände am Maria-von-Rudloff-Platz wurden mit begrünten Dächern im Rahmen von ohnehin stattfindenden Umbauarbeiten eingeweiht. Diese spenden gezielt Schatten, schützen aber natürlich nicht automatisch vor jeglicher Hitze.
Anstelle der üblicherweise für Haltestellendächer verwendeten Glaseindeckung wurden in einen Metallrahmen eine wasserdichte Schicht, sowie entsprechende Pflanzen mit geeignetem Substrat integriert. Gemessen an den ökologischen und klimatischen Vorteilen ist der Aufwand für Umsetzung und Pflege überschaubar. Ein weiteres Beispiel für eine umfassende Modernisierung war 2025 die Baustelle Landwasser, bei welcher ebenfalls neben neuen Grüngleisen die Haltestellen ökologisch aufgewertet und barrierefrei umgestaltet wurden. Künftig sollen weitere Stadtbahn-Haltestellendächer begrünt werden, wenn im Zuge von ohnehin stattfindenden Sanierungs- oder Umbauarbeiten entsprechende Maßnahmen möglich sind.

Für die Begrünung der Infrastruktur setzt die VAG auf robuste und trockenheitsverträgliche Pflanzen. An den begrünten Haltestellendächern kommen beispielsweise Sedum-Arten wie Mauerpfeffer und Fetthenne zum Einsatz. Diese speichern Wasser in ihren Blättern, kommen auch mit längeren Trockenperioden gut zurecht und bieten gleichzeitig Nahrung für zahlreiche Insekten. So tragen die Pflanzen nicht nur zur Kühlung und Verschattung bei, sondern fördern auch die Biodiversität im Stadtgebiet.
Auf den Rasengleisen wachsen vor allem robuste Gräser und andere trockenheitsverträgliche Pflanzen. Sie sind an die besonderen Bedingungen entlang der Strecke angepasst, benötigen vergleichsweise wenig Pflege und kommen auch mit längeren Hitzeperioden gut zurecht. Gleichzeitig tragen die begrünten Gleise dazu bei, die Umgebungstemperatur zu senken, Staub zu binden und die Aufenthaltsqualität entlang der Strecke zu verbessern.

Bereits heute prägen Grüngleise viele Abschnitte des Freiburger Stadtbahnnetzes. Besonders sichtbar sind sie in den Stadtteilen Vauban und Rieselfeld, wo die Stadtbahn auf langen Strecken durch begrünte Gleiskörper fährt. Auch auf weiteren Abschnitten des Netzes, etwa zwischen dem Lindenwäldle und VAG-Zentrum, setzt die VAG auf diese Form der Begrünung. Insgesamt sind bereits rund 15 Kilometer des Stadtbahnnetzes als Rasen- oder Grüngleis gestaltet, was etwa 42 Prozent des gesamten Netzes entspricht. Hinzu kommen entsiegelte Flächen mit Rasenfugenpflaster und Grünflächen mit Bestand. Das entspricht einem Anteil von etwa zwei Dritteln, die nicht vollständig versiegelt sind.
So leisten die begrünten Gleise an vielen Stellen in Freiburg einen Beitrag zu einem besseren Stadtklima, reduzieren die Aufheizung versiegelter Flächen und machen die Stadtbahnstrecken zugleich zu einem festen Bestandteil des Stadtgrüns. Insbesondere die jüngeren Beispiele zeigen auf, dass die Grüngleise ein sehr sinnvolles Instrument zur Verbesserung des Stadtklimas sind, das gezielt an geeigneten Standorten eingesetzt werden sollte.
Die VAG hat die Hitzeanpassung ihrer Infrastruktur aus dem eigenen Anspruch heraus angestoßen, Klima- und Umweltschutz aktiv voranzubringen. Fördermittel des Bundes haben dabei geholfen, entsprechende Maßnahmen schneller und umfassender umzusetzen. Mit den Fördermitteln konnte die VAG ein Entsiegelungskonzept für das gesamte Infrastrukturnetz entwickeln und einen Abschnitt zwischen der Hornusstraße und der Zähringer Straße entsiegeln. Ziel dabei ist es, so viele Flächen wie möglich zu entsiegeln, ohne die Anforderungen an einen sicheren und zuverlässigen Verkehrsbetrieb zu beeinträchtigen. Dabei kommen je nach Standort unterschiedliche Lösungen zum Einsatz. Während einige Bereiche vollständig entsiegelt werden können, werden andere mit wasserdurchlässigen Belägen wie Fugengittersteinen ausgestattet, etwa dort, wo Fahrzeuge weiterhin abgestellt oder bewegt werden müssen. Verkehrsflächen in Kreuzungsbereichen müssen hingegen meist versiegelt bleiben.
Die Maßnahmen bringen zahlreiche der bereits angesprochenen Vorteile mit sich: Regenwasser kann besser versickern, die Lärmbelastung wird reduziert und begrünte Flächen sorgen für ein angenehmeres Mikroklima. Damit die Begrünung dauerhaft erhalten bleibt, kümmern wir uns um die regelmäßige Pflege der Flächen. Stadtein- und stadtauswärts konnten jeweils etwa 300 Meter entsiegelt werden. Der neue Rasen befindet sich an den Haltestellen zwischen den beiden Gleisen, an der Hornusstraße und Tullastraße sind das jeweils rund vierzig bis 50 Meter an Entsiegelung. Insgesamt konnte somit auf einer Länge von knapp 700 Meter entsiegelt werden, was ungefähr der Hälfte der Gesamtstrecke entspricht.

Neben neuem Grüngleis auf der Strecke wurden auch Haltestellen, wie beispielsweise an der Tullastraße, umgestaltet. Neben einer verbesserten Barrierefreiheit sollen auch neue Dächerbegrünungen bei den vergrößerten Fahrgastunterständen für einen angenehmeren Aufenthalt sorgen.

Mit Rasengleisen, begrünten Haltestellendächern und gezielten Entsiegelungsmaßnahmen setzt die VAG bereits heute zahlreiche Projekte für eine klimaangepasste Infrastruktur um. Viele weitere Potenziale werden derzeit geprüft und können bei zukünftigen Sanierungen berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise bereits in der Vergangenheit in Anspruch genommene Förderprogramme wie der Klimopass der L-Bank für die Haltestellendächer oder auch das LGVFG für Infrastrukturmaßnahmen. So wird das Stadtbahnnetz Schritt für Schritt grüner und noch besser auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet.
Text: Jannis Spiering
Fotos: VAG Freiburg / Anja Thölking
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