15. Jan. 2026 - 07:04 Uhr
Die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) braucht mehr Platz für ihre Straßenbahnen. Bis voraussichtlich 2031 wird deshalb eine neuer Betriebshof mit Straßenbahnabstellanlage in der Nähe der Endhaltestelle Gundelfinger Straße entstehen. Warum die Erweiterung nötig ist und welche Vorteile sie bringt, erklären wir hier.
Warum ist der neue Betriebshof nötig?
Größere Erweiterungen benötigen viele Jahre Vorlauf. Vor gut 20 Jahren gingen Politik und Verwaltung noch davon aus, dass die Bevölkerungszahl in Freiburg sinken und die Fahrgastzahlen im ÖPNV zurückgehen werden. Aufgrund dieser Prognose gab die VAG im Jahr 2004 den damaligen Betriebshof in der Komturstraße zugunsten von Wohnungen auf. Stadt und VAG verzichteten damals außerdem bewusst auf eine Option für ein weiteres Grundstück im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs. Werkstätten, Abstellanlagen und Verwaltung wurden fortan auf dem Betriebshof West auf der Haid gebündelt. Die Annahme einer schrumpfenden Stadt hat sich nicht bestätigt. Freiburg wächst, das Stadtbahnnetz wurde ausgebaut und die Fahrgastzahlen sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen und werden absehbar weiter steigen. Dadurch ergibt sich der zusätzliche Bedarf.

Wie ist die Situation heute?
Der bestehende Betriebshof West der VAG in der Besançonallee ist seit längerem an seiner Kapazitätsgrenze. Schon heute werden Straßenbahnen nachts außerhalb der Hallen abgestellt. Der Platz reicht perspektivisch weder für neue Fahrzeuge noch für längere Bahnen aus. Zum Vergleich: Eine moderne Straßenbahn vom Typ Urbos ist 42 Meter lang. Die alten Fahrzeugtypen wie GT8N oder GT8Z messen lediglich 33 Meter. Ältere Fahrzeuge werden in den nächsten Jahren durch längere Straßenbahnen ersetzt. Auch wegen des geplanten Ausbaus des Stadtbahnnetzes benötigt die VAG ab spätestens 2032 eine zusätzliche Abstellanlage, um den laufenden Betrieb stabil zu halten und den Ausbau des Stadtbahnnetzes abzusichern.

Gab es keine Möglichkeit, den bestehenden Betriebshof zu erweitern oder gute Übergangslösungen zu finden?
Die räumlichen Möglichkeiten auf dem Betriebshof West sind sehr begrenzt. Schon heute ist ein größerer zeitlicher Aufwand nötig, um die Fahrzeuge zu rangieren und für die Ausfahrt in Position zu bringen. Weitere Abstellungen im Betriebshof West sind nur mit unverhältnismäßig hohem Mehraufwand möglich. Eine nächtliche Abstellung an Endhaltestellen wäre technisch denkbar, würde aber hohe laufende Kosten für Sicherheit und Betrieb verursachen und wäre keine dauerhafte Lösung.
Wo genau ist der geplante Standort des künftigen Betriebshofs?
Der Standort ist im Gewerbegebiet in Zähringen – zwischen der Endhaltestelle Gundelfinger Straße und dem Edeka (ehemals Marktkauf). Auf dem etwa 2,5 Hektar großen Grundstück befand sich früher eine Baumschule. Diese wurde seitdem nicht weiter betrieben. Das Teilstück des Bereichs, auf dem sich Stadtwald mit älterem Baumbestand befindet, kann erhalten bleiben. Dazu gibt es noch einen einzuhaltenden Abstand zwischen Stadtwald und Betriebshof.

Wie ist der Zeitplan für den Bau des Betriebshofs?
Aktuell werden die Pläne konkretisiert und die Bedarfe festgelegt. Da die zusätzliche Abstellhalle bis spätestens 2032 benötigt wird, muss der Baubeginn spätestens 2029 erfolgen. Der Betriebshof ist eine Investition in die Zukunft. Er soll den reibungslosen Stadtbahnverkehr für die nächsten Jahrzehnte sicherstellen.
Warum wurde dieses Grundstück in Zähringen ausgewählt und welche Vorteile bringt der Standort?
Die Zahl passender Grundstücke in Freiburg ist begrenzt. Verschiedener Alternativstandorte wurden intensiv geprüft und verworfen. Grund für die Entscheidung gegen alternative Standorte waren entweder schlechte Anschlussmöglichkeiten ans Schienennetz, deutlich höhere Kosten, zeitliche Bedenken sowie Bedenken Aufgrund des Natur- und Artenschutzes. Das nun erworbene Grundstück liegt in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Stadtbahnnetz und ermöglicht einen direkten Gleisanschluss. Die Fläche liegt in einem Umfeld mit bestehenden Gewerben und Infrastrukturen. Sie ist keine ausgewiesene Wohnbaufläche. Der künftige Standort sorgt für zusätzliche Flexibilität für den Stadtbahnbetrieb: Da es künftig sowohl im Norden als auch im Westen Freiburgs Abstellmöglichkeiten für Straßenbahnen gibt, können Straßenbahnen bei Störungen und Unterbrechungen flexibler ein- und ausfahren.
Was genau ist auf dem künftigen Betriebshof geplant?
Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Aktuell ist eine reine Abstellanlage für zusätzlich bis zu 40 Straßenbahnen vorgesehen. Werkstätten oder Busabstellungen sind dort nicht geplant. Hierfür ist der Betriebshof West als Standort ausreichend.
Welche Fläche wird versiegelt?
Die genaue Größe der versiegelten Fläche wird im Bebauungsplan festgelegt. Ziel ist es, die Versiegelung so gering wie möglich zu halten und Flächen optimal und effizient zu nutzen.
Wie steht es um den Arten- und Naturschutz und sind Ausgleichsflächen vorgesehen?
Der nördliche Teil des Bereichs, der Stadtwald, kann für die Pläne vollständig erhalten bleiben. Artenschutz und Biotopverbund werden im Bebauungsplan verbindlich gesichert. Ausgleichsmaßnahmen erfolgen auf dem Grundstück selbst und auf zusätzlichen Flächen. Es wurden bereits Ersatzaufforstungen ausgeführt, und diese wurden anerkannt. Weitere Maßnahmen werden im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens festgelegt.

Mit wem stimmt sich die VAG beim Naturschutz ab?
Die VAG steht im Austausch mit dem Forstamt, dem Umweltschutzamt, dem Stadtplanungsamt und dem Immobilienmanagement Freiburg. Die fachlichen Bewertungen dieser Stellen fließen in die Planung ein.
Wie wird der Grundstückskauf und der Bau finanziert?
Die VAG legt besonderen Wert auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Der Grundstückskauf ist über Kredite der VAG beziehungsweise der Stadtwerke erfolgt. Für Grundstück und Bau rechnet die VAG aktuell mit Förderquoten von 50 bis 75 Prozent aus Mitteln des Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LVFG). Änderungen bei den zur Verfügungen stehenden Fördermnitteln sind möglich. Aufgrund der mehrjährigen Abschreibungsmöglichkeiten bleibt die finanzielle Belastung überschaubar.
Text: Jens Dierolf; Fotos: Jens Dierolf/Andreas Sterz; Grafik: VAG
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