Die Netzleitwarte – Vernetzung pur

Die Netzleitwarte ist die technische Leitstelle der VAG und dient der zentralen Steuerung und Rückmeldung der technischen Abläufe. Hier werden alle Störungen erfasst und an die verschiedenen Abteilungen weitergeleitet. Auch Einrichtungen wie die Weichenheizungen, Schranken, Aufzüge und Fahrtreppen können von hier aus gesteuert und wenn erforderlich sogar Livekameras abgerufen werden. Die Hauptaufgabe der Netzleitwarte ist jedoch die Sicherstellung der Stromzufuhr für die Oberleitungen der Stadtbahnen im gesamten Stadtgebiet.

Hier arbeitet Michael Schröter. Bei der VAG ist er schon seit 35 Jahren. Entsteht irgendwo auf der Strecke eine Störung, beispielsweise ein Fahrleitungsschaden durch einen umgefallenen Baum, bekommt er direkt eine Meldung auf einen seiner Computerbildschirme, sodass er sofort handeln kann. Alle zeitnahen Meldungen werden außerdem im Logbuch aufgeführt, „dadurch behält man einen guten Überblick über die Gesamtsituation“, erklärt Michael Schröter.

Auf den Bildschirmen ist immer viel los: Bilder der Überwachungskameras, Logbuch, Schaltpläne und vieles mehr.

Auf den Bildschirmen ist immer viel los: Bilder der Überwachungskameras, Logbuch, Schaltpläne und vieles mehr.

Wie kommt der Strom ins Netz?

Das Energieversorgungsunternehmen badenova liefert elektrische Energie auf der Mittelspannungsebene (20.000 V) in die 24 Gleichrichterwerke der VAG, die sich auf die Teilabschnitte des Streckennetzes verteilen. Diese wandeln die Wechselspannung in Gleichspannung um. Über den Streckenschalter wird der Strom aus den Gleichrichterwerken hinaus zu den Einspeisemasten und von dort stadtein- und -auswärts geleitet. Damit es nicht zu Störungen an den Gleichrichterwerken kommt, müssen die elektrischen Schalter in regelmäßigen Abständen gewartet werden, denn Verschmutzungen und dergleichen können zu Störungen und Ausfällen führen. Schließlich fließen hier Ströme von 1000 Ampere, die den Straßenbahnen über die Bügel zugeführt werden.

Aufgabe Streckenmanagement

Der Streckentrenner trennt bzw. unterbricht die Stromstrecke, das heißt die Stromversorgung kann an verschiedenen Streckenabschnitten aus- und später wieder eingeschaltet werden. Dies ist besonders wichtig bei Fahrleitungsschäden. So können die Fahrleitungsmonteure den Schaden gefahrlos beheben. Die Fahrleitungsspannung liegt zwischen 750 und 950 Volt. Ein Berühren dieser Spannung kann zu starken inneren Verletzungen oder sogar zum Tod führen. Daher sind unsere Monteure besonders ausgebildet und führen diese Arbeiten stets zu zweit oder zu dritt durch, um sich gegenseitig abzusichern. Nach Beendigung der Arbeiten ruft der schaltberechtigte Monteur in der Netzleitwarte an und gibt Michael Schröter Bescheid, der dann die Stromversorgung für den nun reparierten Streckenabschnitt wieder einschaltet.

Um einen guten Überblick über das Streckennetz und die verschiedenen Schaltkreisläufe zu haben, hat Michael Schröter immer ein Grundbild auf einem seiner Bildschirme parat und kann mit einem Mausklick direkt Schalter öffnen und wieder schließen. Die Streckentrenner werden auf dem Schaltplan beispielsweise durch sogenannte Kugelsymbole dargestellt. Werden ein Schalter und der dazugehörige Streckenabschnitt rot angezeigt, bedeutet das, dass der Strom dort fließt; grün bedeutet, dass kein Strom fließt.

Schranken, Aufzüge & Co.

Die technische Leitstelle ist jedoch nicht nur für die Stromzufuhr im Liniennetz zuständig. Auch die Signalanlagen (also die Ampeln für die Straßenbahnen) und Schranken, sowie die Aufzüge und Fahrtreppen am Freiburger Hauptbahnhof werden von Michael Schröter im Auge behalten. Die Steuerung passiert im Normalfall automatisch. Nur nachts werden die Aufzüge und Fahrtreppen verriegelt. Insgesamt 66 Kameras helfen dabei, nicht nur Schranken, Aufzüge & Co. einsehen zu können, sondern dienen in erster Linie der Steuerung des Fahrbetriebes.

Schranken und Tore auf dem VAG-Betriebsgelände werden ebenfalls in der Netzleitwarte gesteuert.

Schranken und Tore auf dem VAG-Betriebsgelände werden ebenfalls in der Netzleitwarte gesteuert.

Jetzt wird eingeheizt

Gerade jetzt im Winter ist es wichtig, dass die Weichen nicht einfrieren bzw. durch Schnee blockiert werden, damit ein reibungsloser Gleiswechsel unserer Schienenfahrzeuge garantiert werden kann. Durch Wärmefühler wird die Außentemperatur gemessen und unter Einbeziehung des Luftfeuchtigkeitsgrades entschieden, wann sich die Weichenheizungen einschalten. Die Heizungen werden ab ca. + 3°C und einer bestimmten Luftfeuchtigkeit aktiv. Dies geschieht ebenfalls automatisch, der Netzleitwärter bekommt lediglich eine Information über die Ein- und Ausschaltung der Weichenheizungen. Dabei wird jede Zunge einer Weiche beheizt. Wäre dies nicht der Fall, könnten die Zungen bei Schnee oder Schneematsch nicht richtig anliegen und es bestünde die Gefahr einer Betriebsstörung und im schlimmsten Fall einer Entgleisung der Stadtbahn.

Hier werden die Weichenheizungen für das gesamte Stadtgebiet überwacht.

Hier werden die Weichenheizungen für das gesamte Stadtgebiet überwacht.

Eine große Verantwortung

Sämtliche Störungen sind mit einer Störnummer im Störungsbuch dokumentiert. Ist eine Störung behoben, erscheint dort ein Haken.
In der Netzleitstelle zu arbeiten bringt eine große Verantwortung mit sich. Würde beispielsweise ein falscher Streckenabschnitt vom Strom genommen werden, könnte dies fatale Folgen haben. Auch Konzentration und Zuverlässigkeit stehen bei dem Job ganz oben, damit Fehlschaltungen vermieden werden können.

Außerhalb Michael Schröters Arbeitszeiten übernimmt die Betriebsleitstelle seine Aufgaben – das sind erfahrungsgemäß aber auch die Zeiten, in denen weniger los ist.

„Besonders faszinieren mich die PC-Arbeit und die Dokumentation der Vorfälle“, sagt Michael Schröter. „Die Arbeit in der Netzleitwarte macht mir viel Spaß, denn sie ist sehr vielseitig und abwechslungsreich.“

Dieser Blogbeitrag wurde von Sabrina Lonek verfasst. Sie ist Praktikantin in der Marketingabteilung der VAG.

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