Haltestelle Bertoldsbrunnen: Der “schönste Turm auf Erden”

Wer in die Freiburger Innenstadt geht, kommt an einem Besuch des Münstermarkts fast nicht vorbei. Und warum auch? Das große Angebot an frischem Obst, Gemüse, bunten Blumen sowie die “Lange Rote”, Freiburgs bekannte Münsterwurst locken jeden Tag Hunderte Menschen auf den Platz rund um das Münster.

Vor allem die familiäre Atmosphäre und der direkte Kontakt zum Obst-/ Gemüsehändler zeichnen den Markt aus. Und auch ohne lange Einkaufsliste lässt es sich auf dem Markt aushalten. Verschiedene Cafés laden dazu ein, die Sonne und das bunte Treiben rundherum mit einem duftenden Cappuccino oder einer leckeren Kugel Eis zu genießen und die Seele baumeln zu lassen.

Nicht nur aufs Äußere achten – auch das Innere zählt

Aber nicht nur um das Münster herum gibt es viel zu entdecken, auch im Münster selbst lassen sich viele interessante Details erkennen. Jeden Tag finden hier Führungen statt, bei denen man die einen oder anderen Dinge erfährt, die einem allein vielleicht gar nicht auffallen würden. Für Kinder gibt es außerdem immer wieder besondere Kinderführungen, wie beispielweise am 26. Mai: „Von Hunden, Pferden und Tauben: Tiere im Münster“. Wer keine Lust auf eine geführte Runde hat, kann das Münster aber selbstverständlich auch alleine erkunden und kennenlernen.

Ich habe mich heute für eine offene Führung entschieden, die im Sommer täglich von 14 – 15 Uhr stattfindet, in den Wintermonaten montags, samstags und sonntags. Pro Jahr finden hier über 800 Führungen statt, der Preis beträgt pro Person 5€. Begrüßt wurde ich – zusammen mit einigen Besuchern – von einem der insgesamt 30 Münsterführer, der uns in der folgenden Stunde so einige interessante Fakten über die Gestaltung und Historie des Bauwerks erzählte.

Eine bröckelige Angelegenheit

Wussten Sie beispielweise, dass einer der Gründe für die zahlreichen Wasserspeier auf den Dächern der rote Sandstein ist, aus dem das Münster gebaut wurde? Der Sandstein hat nämlich eine Eigenschaft, die sich bei Regen als sehr ungünstig erweist. „Sandstein lässt sich gut zu gotischen Formen verarbeiten. Aber er ist auch wie ein Schwamm, der Wasser durch die Hohlräume aufsaugt“, so Christian Leuschner, der Steinmetzmeister der Münsterbauhütte. Besonders der durch die Luftverschmutzung sogenannte „saure Regen“ heutzutage lässt den Sandstein bröckeln. Die Wasserspeier waren daher dafür gedacht das Regenwasser vom Gebäude wegzuleiten, sodass es keinen Schaden nimmt. Das klappt natürlich nicht überall, weswegen stets Sanierungsarbeiten vorgenommen werden müssen. Die Wasserspeier sollen außerdem in ihrer Gestalt als gruselige Fabelwesen das Böse vertreiben.

Ein weiterer erstaunlicher Punkt sind die weiträumigen Fenster der Kathedrale. Einige der bunten Glasscheiben sind sogar noch Originale – wenn auch teils übermalt – und stammen aus der Entstehungszeit um 1200. Während des 2. Weltkriegs wurden die Fenster herausgenommen und eingelagert, damit sie nicht durch die Bombenangriffe zerstört würden. Und tatsächlich hat das gesamte Münster die Angriffe erstaunlicherweise nahezu unbeschadet überstanden. Auf der Nordseite des Gebäudes befinden sich übrigens nur drei Fensterteile pro Block, während es auf der Südseite vier sind. Grund dafür ist der Stand der Sonne, denn sie lässt die Fenster der Nordseite dunkler scheinen. Die Zahl 3 gilt schon lange als göttliche bzw. heilige Zahl und soll daher auf der dunkleren Seite Schutz garantieren.

Und wer sich schon mal gewundert hat, was es mit der gemalten Brezel oder dem Hammer und der Zange an den Fenstern auf sich hat, der bekommt auch hierfür eine interessante Erklärung. Aber alles will ich ja auch nicht verraten.

Ein lohnender Aufstieg – mit herrlicher Aussicht

Für alle, die sich gerne mal einen Tag Zeit nehmen, um einen entspannten (aber dennoch sportlichen) Ausflug mit der Familie zu unternehmen, bietet sich der Aufstieg auf den Freiburger Münsterturm bestens an. Und wer sich die 263 Stufen bis zur Aussichtsplattform hinaufbegibt, wird mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Schlossberg sowie auf die idyllische Altstadt Freiburgs belohnt. Aufgrund von Renovierungsarbeiten ist dies 2017 leider nicht mehr möglich, aber die Zeit vergeht ja bekanntlich schnell und ab März 2018 ist der Turm dann auch planmäßig wieder für Besucher geöffnet.

Wenn Sie also die Osterferien mit Ihren Lieben dazu nutzen möchten einen kleinen Ausflug nach Freiburg zu unternehmen oder aber als Freiburger etwas mehr über die Heimat erfahren möchten, dann sollten Sie einen Münsterbesuch unbedingt im Auge behalten, es lohnt sich.

Viele weitere Infos zum Freiburger Münster erhalten Sie auf der offiziellen Webseite.

Dieser Blogbeitrag wurde von Jessica Kopp verfasst. Sie absolviert ein Duales Studium bei der Freiburger Verkehrs AG.

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