VAG-Vorstände Stephan Bartosch und Oliver Benz vor dem neuen E-Bus-Port auf dem Betriebshof der Freiburger VAG

Interview der VAG-Vorstände zum E-Bus-Ausbau: “Leiser und mehr Lebensqualität”

E-Busse statt Verbrenner: Hinter der klimafreundlichen Umstellungen stecken jede Menge Aufgaben und Herausforderungen für ganz verschiedene Abteilungen bei der Freiburger Verkehrs AG. Im Interview berichten die beiden Vorstände, Stephan Bartosch und Oliver Benz, über die Vorgeschichte, Kosten – und darüber, was auf die Kundinnen und Kunden zukommt.

Neue E-Busse bei der VAG. Die VAG-Vorstände Stephan Bartosch (l.) und Oliver Benz am neuen Bus-Port.

Was bringen Sie mit dem Begriff „Elektromobilität“ in Verbindung?

Oliver Benz: Für mich ist das die logische Weiterentwicklung des Verkehrs und tatsächlich der nächste Schritt, was Mobilität betrifft. Es geht ja nicht nur darum, dass wir Ressourcen sparen, indem wir auf fossile Brennstoffe verzichten und auf regenerative Energien – konkret: Ökostrom – umswitchen. Es gibt auch andere Begleiterscheinungen, die ich toll fnde. Ich freue mich zum Beispiel riesig, dass wir die Lärmemissionen reduzieren. Durch die Elektrifzierung im Busbereich werden wir sehr viel leiser unterwegs sein und das wird die Lebensqualität nochmal deutlich steigern!

Wie lange reicht Ihr Engagement in Sachen Elektroantrieb schon zurück?
Stephan Bartosch: Die ersten Kontakte reichen in das Jahr 2013; zu der Zeit gab es die ersten Beobachtungen. Ab 2016 haben wir uns der Sache dann deutlich intensiver gewidmet – damals zeichnete sich ab, dass es von den ersten Prototypen hin zur sicheren Technik geht. Ein Jahr später haben wir vom IVI, dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden ein Gutachten zur Klärung der Frage eingeholt, ob Freiburg für den E-Bus-Betrieb überhaupt geeignet ist. Und als es hieß, „Ja, eigentlich kann man in Freiburg sehr schön eine E-Bus-Flotte aufziehen“, haben wir uns eine Umsetzungs- und Einrichtungsstrategie erstellen lassen. 2018 schließlich kam der politische Gremienlauf, um über zwei Busse zur Einführung der Pilotlinie zu entscheiden – und die haben wir 2019 bekommen.

VAG-Vorstand Oliver Benz.

Und der Pilotbetrieb war erfolgreich?
Oliver Benz: Ja, der hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt. Die Fahrgäste haben die Fahrzeuge angenommen, wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, gerade auch zum Thema Lärm, und betrieblich war es auch problemlos. Auch unsere Fahrerinnen und Fahrer sind begeistert, die fahren die Busse wirklich gern. Jetzt sind wir gespannt, weil wir mit den Gelenkbussen etwas Neues haben. Auf der Pilotlinie 27 waren wir mit Solobussen unterwegs – da konnte man den Bus tatsächlich mal fahren lassen, ohne zwischenzuladen, und schauen, wie viele Runden man hinbekommt. Und jetzt steigen wir mit 15 weiteren Bussen ein, davon zehn Gelenkbusse auf einer stark frequentierten Linie. Da ist die Herausforderung schon größer.

VAG-Vorstand Stephan Bartosch

Wie aufwändig ist die Umstellung innerbetrieblich?
Stephan Bartosch: Es kommt einiges zusammen. Zum einen müssen die Werkstätten geschult und die Mechaniker mit der neuen Technologie vertraut gemacht werden. Auch baulich wird einiges erweitert: Wir brauchen Dacharbeitsstände, weil die Technik vorrangig auf dem Dach verbaut ist. Zum anderen müssen softwareseitig in der Leitstelle Assistenzsysteme eingebaut werden, weil Dinge, die vorher kein Thema waren – etwa ein Unfall mit einer Umfahrung –, sich künftig auswirken. Die Leitstelle betreut ab jetzt neben den Straßenbahnen auch die Busse und kümmert sich um Fragen wie „Reicht die Batterieladung noch so weit, dass der Bus einen größeren Umweg fährt und dann auch noch zum Endziel kommt?“ Die Disposition muss die Standzeiten umplanen, damit ausreichend Kilowattstunden nachgeladen werden können… und dann muss auch noch das Fahrpersonal geschult werden. Bis 500 Mitarbeitende die neue Technologie einmal „erfahren“ haben – das nimmt schon eine ganze Menge Arbeit und Zeit in Anspruch!

Rechts der grüne Solo-E-Bus der Pilotlinie und links ein neuer E-Gelenkbus. Beide Fahrzeuge stammen von der Firma Solaris.

Wie tief mussten Sie denn in die Tasche greifen, um all das zu realisieren?
Oliver Benz: Das war schon alles mit hohen Kosten verbunden. Bei der Beschaffung kann man sagen, dass ein E-Bus immer noch doppelt so teuer ist wie ein konventioneller Dieselbus. Zusätzlich mussten wir die Ladeinfrastruktur schaffen und einen E-Bus-Port bauen, weil die Abstellhalle viel zu alt und aus Brandschutzsicht nicht nutzbar gewesen wäre. Aus meiner Sicht hätten wir das Projekt nicht stemmen können, wenn es keine Fördermittel gegeben hätte. Aber glücklicherweise haben wir vom Bund und vom Land eine Förderung bekommen. Und auch die Stadt Freiburg unterstützt uns maßgeblich finanziell. Wir sehen es als öffentliches und größtes Verkehrsunternehmen der
Region einfach als unsere Aufgabe an, den ersten Schritt zu machen. Und diese emissionsfreie und umweltfreundliche Technik hat
eben ihren Preis.

Geht Ihnen beim Gedanken an die Elektromobilität das Herz auf?
Stephan Bartosch: Wir können da wirklich ein bisschen stolz sein. Zwar sind wir nicht die allerersten Verkehrsunternehmen in Deutschland, die damit anfangen, ihre Flotte sukzessive umzustellen, aber wir gehören zu den sogenannten First Followern. Wir tun im ÖPNV alles, um unseren Fahrgästen eine saubere Mobilität anzubieten – und wir tun im Sinne des Umweltschutzes etwas für uns alle, weil wir antriebseitig keine Emissionen mehr ausstoßen. Und daneben ist es vor allem auch ein Lärmthema – Lärm wird ja zunehmend ein schwieriger Punkt. Und die E-Busse sind deutlich leiser als ein Dieselbus, der da vorbeirattert.

 

2 Kommentare

  1. Frage: Auf welchen Linien werden die neuen Elektrobusse fahren? Dürfen die Fahrzeuge in die Halle oder müssen sie draußen bleiben und in großem Abstand stehen? Stichwort. Brandgefahr. In Stuttgart gingen vor einiger zeit einige Elektrobusse in Flammen auf. Ob es an einem Bus oder allen der Fall war oder ein Kurzschluss in der Halle, blieb meines Wissens ungeklärt, da der Schaden immens war.

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